Blinde Person nutzt taktiles Bodenleitsystem.

Basiswissen zur Barrierefreiheit

Barrierefreiheit verstehen, strategisch verankern und wirtschaftliches Potenzial erkennen.

Einfach starten Tipps im Umgang mit unterschiedlichen Zielgruppen

Hier geht es zur Checkliste

 

Grundlagen der Barrierefreiheit

Verständnis, relevante Zielgruppen und wirtschaftliche Potenziale

Die folgenden Inhalte bieten eine kompakte Einführung in die Bedeutung von Barrierefreiheit und ein grundlegendes Verständnis, was sie umfasst, für wen sie wichtig ist und welche Chancen und Potenziale sie eröffnet.

Barrierefreiheit verstehen

Barrierefreiheit umfasst bauliche, kommunikative, digitale und organisatorische Aspekte.  

Beispiele für Barrieren im Bereich:

BaulichStufen, fehlendes Leitliniensystem, mangelhafte Beleuchtung, etc.
KommunikativSchwer verständliche Texte, fehlende Übersetzung in Gebärdensprache
DigitalUngenügender Farbkontrast, Screenreader-Inkompatibilität, fehlende Textalternativen etc.
Organisatorischpersonalbezogene Faktoren (Berührungsängste im Umgang mit Menschen mit Behinderungen, fehlendes Wissen zur Barrierefreiheit) und strukturelle Faktoren (Prozesse, Regeln, Verantwortlichkeiten, interne Kommunikation)

Barrierefreiheit bedeutet, dass Produkte und Dienstleistungen:

  • für alle nutzbar,

  • Gebäude ohne fremde Hilfe zugänglich,

  • Informationen verständlich sind und

  • Kommunikation durch eine offene Haltung getragen wird.

Ziel von Barrierefreiheit ist es, Angebote und Services so zu gestalten, dass sie von möglichst vielen Menschen selbstständig und ohne Hindernisse genutzt werden können und ein gleichberechtigter Zugang zu Produkten, Dienstleistungen, Gebäuden und Informationen gewährleistet ist. So wird niemand aufgrund körperlicher, sensorischer oder kognitiver Einschränkungen ausgeschlossen.

Eine vollständig barrierefreie Gestaltung für alle Situationen ist in der Praxis nicht immer möglich. Entscheidend ist daher, Barrieren frühzeitig zu erkennen, zu vermeiden oder schrittweise abzubauen und Angebote sowie Services möglichst barrierearm zu gestalten.

Die gesetzlichen Rahmenbedingungen, insbesondere das Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz und das Barrierefreiheitsgesetz definieren verbindliche Anforderungen an die Zugänglichkeit. Laut der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) gelten als Menschen mit Behinderungen Personen, die langfristige, körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbehinderungen haben, welche sie in Wechselwirkung mit verschiedenen Barrieren an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern können. 

Barrieren entstehen häufig durch die Gestaltung von Räumen, Informationen oder Abläufen und können durch gezielte Anpassungen verringert werden.

Weitere Informationen zu gesetzlichen Anforderungen finden sich im Modul "Rechtlicher Rahmen und Standards"

Zielgruppen barrierefreier Angebote

Barrierefreiheit betrifft viele Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen. Dazu zählen unter anderem Menschen...

  • mit Mobilitätseinschränkungen
    (z.B. Rollstuhlnutzende, Personen mit Gehhilfen oder eingeschränkter Beweglichkeit)

  •  mit Sehbehinderungen oder Blindheit

  • mit Hörbehinderungen oder Gehörlosigkeit

  • mit nicht sichtbaren Behinderungen
    (z.B. chronische Erkrankungen, Neurodivergenz oder psychische Beeinträchtigungen)

  • mit temporären Einschränkungen
    (z.B. nach einem Unfall, einer Operation oder während der Schwangerschaft)

  • im höheren Alter

  • mit Kleinkindern oder Kinderwagen

  • mit schwerem Gepäck oder Trolleys

Wirtschaftliche Potenziale

Barrierefreiheit im Tourismus erschließt neue und vielfältige Zielgruppen. Sie stärkt nicht nur die gesellschaftliche Teilhabe, sondern bietet auch wirtschaftliche Chancen für Betriebe.

  • Barrierefreiheit erweitert die Zielgruppe: 
    Menschen mit Behinderungen, ältere Personen, Familien, Personen mit temporären Einschränkungen wie Unfällen 

  • Höhere Wertschöpfung pro Gast: 
    Menschen mit Behinderungen reisen häufig mit Begleitung oder in Gruppen

  • Kund:innenbindung und Weiterempfehlung: 
    Wer überzeugt, gewinnt loyale Stammgäste und profitiert von Empfehlungen der jeweiligen Communities

  • Reduktion von Kosten durch Klarheit und Prävention: 
    Transparente Informationen vermeiden Fehlbuchungen, Beschwerden und Rückabwicklungen

  • Stärkere Gästefokussierung durch gelebte Barrierefreiheit: 
    Mitarbeiter:innen entwickeln mehr Aufmerksamkeit, Offenheit, Flexibilität und Serviceorientierung im Umgang mit allen Gästen

  • Wettbewerbsvorteil und Zukunftssicherung: 
    Barrierefreiheit wird zunehmend zum Qualitätskriterium bei Ausschreibungen und Kooperationen

Hinweis zu Konzept und Inhalten

Die inhaltliche Konzeption sowie die fachliche Aufbereitung dieser Toolbox wurden von myAbility entwickelt. Die bereitgestellten Informationen wurden nach bestem Wissen und Gewissen sowie auf Basis des zum Zeitpunkt der Erstellung verfügbaren Kenntnisstandes zusammengestellt. Es wird jedoch keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit, Aktualität oder Genauigkeit der Inhalte übernommen. Es wird empfohlen, relevante Inhalte eigenständig zu prüfen oder fachkundige Beratung einzuholen.

 

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