Bunte Kacheln des Dachs des Wiener Stephansdoms

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Wien-Presse-Info – Juni 2026 Das Weißgerberviertel: Zwischen Hundertwasser und Donauwasser

Einst als Vorstadt von Wien „Unter den Weißgerbern“ bekannt, war das Viertel bis 1850 vom Gerberhandwerk geprägt – ein Gewerbe, das aufgrund seiner Geruchsintensität aus der Innenstadt verbannt wurde. Heute hat sich das Weißgerberviertel zu einem Grätzel entwickelt, das gleichzeitig eines der bekanntesten Wiener Wahrzeichen beherbergt und trotzdem noch recht unbekannt ist. Wer nur wegen des berühmten Hundertwasserhauses kommt, übersieht schnell die vielseitigen Facetten dieses besonderen Stadtteils. 

Das Herz des Grätzels 

Am Radetzkyplatz kreuzen sich die Straßenbahnlinien „1“ und „O“ – sie befahren zentrale Verkehrsadern der Stadt. Besonders die Linie 1 bietet Besucher:innen eine praktische Route durch Wien: von der Ringstraße und Karlsplatz über das Weißgerberviertel bis in den grünen Prater. 

Der Radetzkyplatz selbst ist ein lebendiger Treffpunkt mit großzügigen Schanigärten und kulinarischer Vielfalt. Klassische Wiener Küche trifft hier auf internationale Einflüsse und moderne Café-Kultur. Das Gasthaus Wild beispielsweise serviert klassische Wiener Küche und saisonale Spezialitäten. Innen bedient es sich aller Klischees eines Wiener Gasthauses: Von Schank bis Holzverbau ist alles da. Gleich daneben liegt das Klee Restaurant & Café – ebenfalls mit großzügigem Gastgarten. Über die Straße ist das Café Menta, ein mediterran-orientalisches Lokal, das mit einer vielfältigen Frühstückskarte begeistert. Im Sommer bietet der schattige Gastgarten inmitten der Hortensiensträucher den perfekten Brunch-Spot und wird dem Image als Grätzel-Café gerecht.  

Zeitreisen in der Löwengasse 

Unter den Viadukten der Wiener S-Bahn führt der Weg vom Radetzkyplatz in die Löwengasse, wo zwischen zwei Imbissen ein seit Jahrzehnten bestehendes, aber inzwischen geschlossenes Schreibwarengeschäft an eine Zeit vor Digitalisierung und Onlinehandel erinnert. 

Weiter die Löwengasse entlang liegt ein echtes Unikat: der Comicshop von Franz Virt. Seit über 40 Jahren ist es eine Institution für Comicliebhaber:innen. Mit einem nahezu vollständigen deutschsprachigen Sortiment und einer bewusst nostalgischen Herangehensweise trotzt es konsequent dem Zeitgeist.  

„Wenn etwas bei uns nicht zu finden ist, dann ist es wahrscheinlich nicht erschienen", besagt das Schild in der Auslage und Franz Virt bestätigt das auch persönlich. Seine Homepage ist aus dem Jahr 2000 und hat ein immenses Angebot an Comics, Heften, Zeitschriften und Ähnlichem zu bieten. Allerdings ohne Warenkorb. Dafür mit einem Aktualitätsgrad wie eine Tageszeitung: „Wir aktualisieren die Website fast täglich. Unter der Rubrik ‚brandaktuell’ sind die Neuzugänge sogar innerhalb einer Stunde schon online.“ Im Geschäft stapeln sich Comics aus vergangenen Jahrzehnten mit altbekannten Protagonist:innen. Die Marvel-Dynastie, alle Generationen von Star Wars, das lustige Taschenbuch mit Donald Duck und natürlich Garfield, Rantanplan, Lucky Luke und viele mehr posieren auf den Covern. Alles deutschsprachig – außer eines Kartons mit englischen Comics. 

Ebenfalls prägend für das Straßenbild ist die Kolonitzkirche (Pfarre St. Othmar unter den Weißgerbern), ein neugotischer Backsteinbau von Friedrich von Schmidt, der auch das Wiener Rathaus entwarf. 

Italo-dänische Melange in der Krieglergasse 

Mit dem 2025 eröffneten Alice hat das Viertel einen spannenden Neuzugang erhalten. In einem ehemaligen Milchgeschäft (aus dieser Zeit stammt der Schriftzug über dem Eingangsbereich: TRÖSCH III – der Name der einstigen Landstraßer Zentralmolkerei) verbindet das Lokal dänische und italienische Einflüsse zu einem eigenständigen Konzept. Hausgemachte Focaccia, Süßspeisen und dänische Spezialitäten treffen hier auf italienische Kaffeekultur.  

In der Krieglergasse lohnt sich auch ein Besuch bei Masaniello. Das Lokal versteht sich als Hommage an die süditalienische Küche und bringt authentische neapolitanische Gerichte auf den Tisch. 

Architektonisch wertvoll 

Ein zentraler Anziehungspunkt ist das Kunst Haus Wien – das einzige von Friedensreich Hundertwasser (1928-2000) gestaltete Museum der Stadt, das an 365 Tagen im Jahr für Besucher:innen geöffnet ist. Im Erdgeschoß lädt das Café Friedlich mit begrüntem Gastgarten und kreativem Interieur zum Verweilen ein. Das Ambiente ist ganz im Stil Hundertwassers gehalten. Die unterschiedlichen Thonet Stühle stellen eine Referenz an die Vornutzung des Museumsgebäudes dar, eine ehemalige Möbelfabrik der Gebrüder Thonet aus dem Jahr 1892. 

Von hier aus führt ein direkter Zugang zur Weißgerberlände und zum begrünten Teil des Donaukanals. 2002 wurde flussseitig neben der Straße die Hundertwasser-Promenade benannt. Wo sich auch die Schiffsanlegestelle befindet. Der Pavillon mit Grasdach und Säulen-Installation wurde im Auftrag der DDSG Blue Danube Schiffahrt GmbH für die Anlegestelle der von Hundertwasser gestalteten MS Vindobona entworfen. 

Architektonisch beeindruckend ist neben dem Hundertwasserhaus auch das Palais des Beaux Arts. Errichtet 1908/09 von Anton und Josef Drexler als Modepalast „Chic Parisien“, vereint das Gebäude Elemente des Späthistorismus und Jugendstils. Die goldenen Weltkugeln an der Fassade spielen auf die internationale Ausrichtung des damaligen Modeverlags an. Und fügt sich nahtlos in das Straßenbild dieses interessanten Viertels ein. 

Adressen:  

Kontakt:

WienTourismus
Isabella Rauter
Internationale Presse
Tel. (+ 43 1) 211 14-301

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