Kunsthistorisches Museum Wien, Bruegel-Saal

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Best Practice: Bauliche Barrierefreiheit & Denkmalschutz

Ein Haus mit 135 Jahren Geschichte, kaiserlichem Erbe und rund 532 Mitarbeiter:innen steht vor einer komplexen Aufgabe: barrierefrei werden, ohne das Denkmal zu beschädigen. Das Kunsthistorische Museum Wien zeigt mit dem Projekt „Remastering KHM", wie ein barrierefreier Umbau unter Denkmalschutz gelingt und was andere Betriebe daraus lernen können.

Quick Wins

Das lässt sich sofort umsetzen

  • Barrierefreiheit auf der Website transparent kommunizieren
    Bestehende Einschränkungen offen benennen wie etwa fehlende Stufenfreiheit am Haupteingang oder eingeschränkte Zugänglichkeit bestimmter Bereiche.
     

  • Interne Abläufe prüfen und anpassen
    Oft lassen sich ohne bauliche Maßnahmen Verbesserungen erzielen: Wer begleitet Gäste mit Mobilitätseinschränkungen? Welche Mitarbeiter:innen kennen den barrierefreien Zugang? Klare interne Zuständigkeiten machen den Unterschied.
     

  • Barrierefreiheitsbeauftragte:n benennen
    Eine verantwortliche Person im Haus schafft Verbindlichkeit sowohl für das Team und für Gäste und Besucher:innen, die eine konkrete Ansprechstelle suchen. Das KHM hat diese Funktion seit August 2025 etabliert.
     

  • Frühzeitig Expertise einholen
    Wer über einen Umbau nachdenkt, sollte Behindertenverbände und das Bundesdenkmalamt von Beginn an einbinden und nicht erst, wenn Pläne bereits fertig sind. Das spart Zeit, Kosten und Umwege.
     

  • Defizite analysieren, bevor Maßnahmen geplant werden
    Eine ehrliche Bestandsaufnahme ist der erste Schritt. Wo sind die größten Barrieren? Was ist kurzfristig verbesserbar, was erfordert einen größeren Eingriff?
     

  • Perfektion nicht als Voraussetzung sehen
    Jeder Schritt zählt. Kein Betrieb muss von heute auf morgen vollständig barrierefrei sein. Entscheidend ist die Haltung: Was ist als nächstes umsetzbar?

Über den Betrieb

Das Kunsthistorische Museum Wien ist eines der bedeutendsten Kunstmuseen der Welt und Teil des KHM-Museumsverbandes. Das 1891 eröffnete Gebäude an der Wiener Ringstraße beherbergt die aus kaiserlichem Besitz hervorgegangenen Sammlungen: Ägyptisch-Orientalische Sammlung, Antikensammlung, Kunstkammer, Gemäldegalerie und Münzkabinett. Neben den Schausammlungen werden regelmäßig wechselnde Sonderausstellungen präsentiert.

Barrierefreiheit als strategische Aufgabe

Der Wunsch nach einem barrierefreien Zugang besteht im KHM schon lange. Steigende Besuchszahlen, neue gesetzliche Anforderungen zu Fluchtwegen und Brandschutz sowie ein wachsendes Bewusstsein für Inklusion haben den Entschluss reifen lassen: Das KHM soll mit einem umfassenden baulichen Eingriff zukunftsfit gemacht werden und dabei endlich auch einen barrierefreien Haupteingang erhalten.

Seit August 2025 gibt es im Haus eine eigene Funktion: Christoph Paidasch, Bereichsleiter Sales-Guest-Communications, ist seither auch Barrierefreiheitsbeauftragter des KHM Museumsverbandes.

Aufgrund der historischen Architektur des Ringstraßengebäudes gibt es derzeit keinen barrierefreien Haupteingang für Museumsbesucher:innen. Barrierefreier Zutritt ist bislang nur in Begleitung über den Innenhof möglich. Innerhalb des Museums ist die Bewegungsfreiheit grundsätzlich gewährleistet – es fehlen jedoch Bodenleitsysteme, Tastelemente und bei einzelnen Objektpräsentationen sind Verbesserungen der Sichtbarkeit nötig.

Museumsbesucher:innen mit Behinderungen sind beim Betreten und Verlassen des Museums in ihrer Selbstständigkeit eingeschränkt und auf Hilfe angewiesen. Das soll sich mit dem Projekt „Remastering KHM" grundlegend ändern.

Das Projekt: Remastering KHM

Planung & Umsetzung

Der Weg zum Umbau war lang: Eine erste Machbarkeitsstudie wurde 2018 erstellt, 2020/21 folgte eine modulare Weiterplanung. 2024 wurde eine europaweite Planerausschreibung durchgeführt. Das siegreiche Architekturbüro plant den Um- und Ausbau bis zur Baureife. Der Planabschluss und die Baueinreichung sind für Herbst 2026 vorgesehen. Ein konkreter Baubeginn steht noch nicht fest.

Was konkret geplant ist:

  • Neue barrierefreie Eingänge am Hauptgebäude

  • Barrierefreie Kassen- und Informationsbereiche

  • Barrierefreie Garderoben und WC-Anlagen

  • Neue zusätzliche Lifte

  • Neue Fluchtstiegenhäuser

Während der gesamten Bauzeit wird ebenso sichergestellt, dass der normale Museumsbetrieb inklusive barrierefreiem Zugang aufrechterhalten bleibt.

Denkmalschutz & Barrierefreiheit

Wie geht das zusammen?

Das KHM steht unter Denkmalschutz – eine Herausforderung, mit der viele Wiener Kulturbetriebe und historische Häuser konfrontiert sind. Die Erfahrungen aus dem Planungsprozess zeigen: Es gibt kein Patentrezept. Jede Denkmalimmobilie ist individuell zu behandeln.

Aufgrund des Denkmalschutzes und des Respekts vor der historischen Architektur wurden keine Ideallösungen von vornherein angestrebt. Stattdessen wurden Schritt für Schritt individuelle Lösungen gesucht, die ein akzeptables und würdiges Ergebnis gewährleisten.

Was die Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt (BDA) ermöglicht hat

Durch die frühzeitige Einbindung des BDA bereits vor der Ausschreibung entstand eine lösungsorientierte Zusammenarbeit. Jede Maßnahme erfordert Abstimmung und Rücksicht auf die historische Substanz. Das mach den Prozess nachhaltiger und führt für alle Beteiligten schlussendlich zu einem guten Ergebnis.

Einbindung von Expert:innen und Betroffenen

Ein zentrales Learning aus dem KHM-Prozess: Barrierefreiheit gelingt nicht allein. Am Planungsprozess beteiligt waren Architekt:innen, das Bundesdenkmalamt, Nutzer:innen mit Behinderungen sowie Fachexpert:innen des Behindertenrats sowie Mitarbeiter:innen des eigenen Betriebs und das von Beginn an.

Jeder kann etwas tun, um Situationen zu verbessern. Perfektion soll dem nicht im Wege stehen.

Christoph Paidasch KHM
Christoph Paidasch

Barrierefreiheitsbeauftragter | Kunsthistorisches Museum

Diese frühe Einbindung hat dazu beigetragen, dass Lösungen entstanden sind, die sowohl denkmalkonform als auch funktional barrierefrei sind.

Finanzierung & Förderung

Der Umbau soll durch das Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport sowie durch Eigenmittel des KHM finanziert werden. Die Verhandlungen erfolgten im Rahmen des regulären Budgetprozesses der Bundesregierung.

Wichtig für andere Betriebe

Wer Förderungen für barrierefreie Umbauten anstrebt, sollte frühzeitig bei BDA und anderen staatlichen Stellen anfragen. Für denkmalgeschützte Gebäude ohne staatlichen Eigentümer gibt es spezifische Fördermöglichkeiten.

Wirkung & Ausblick

Mit dem Abschluss des Projekts „Remastering KHM" wird das Thema „Wie komme ich ins Museum hinein?" der Vergangenheit angehören. Selbstermächtigung von Besucher:innen mit Behinderungen ist das erklärte Ziel und gleichzeitig das Besuchserlebnis deutlich zu verbessern.

Der Umbau bringt darüber hinaus Synergien

Die gesamte Infrastruktur wird an die Anforderungen eines Museumsbesuchs im 21. Jahrhundert angepasst und das steigert Qualität, Image und Nachhaltigkeit gleichermaßen.

Langfristig soll Barrierefreiheit, als fester Bestandteil der Entscheidungskultur im Haus, bei allen besucher- und personalorientierten Maßnahmen des KHM mitgedacht werden.

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Rendering der Information im Kunsthistorischen Museum
© Chaix & Morel / CAPP / ZOOM VP.AT
Rendering vom Türmehof des Kunsthistorischen Museum
© Chaix & Morel / CAPP / ZOOM VP.AT
Rendering von den barrierefreien Türen des Kunsthistorisches Museum
© Chaix & Morel / CAPP / ZOOM VP.AT
Rendering vom Eingang des Kunsthistorischen Museum
© Chaix & Morel / CAPP / ZOOM VP.AT

Empfehlungen für andere Betriebe

Was das KHM anderen Häusern mitgibt

  • Defizite und Möglichkeiten analysieren, bevor Maßnahmen geplant werden

  • Unterstützung und Beratung von Organisationen und Betroffenen frühzeitig einholen

  • BDA und Behindertenrat von Beginn an einbinden und nicht erst, wenn Pläne fertig sind

  • Barrierefreiheit als Prozess verstehen, nicht als einmaliges Projekt

  • Den häufigsten Fehler vermeiden: zu glauben, dass alles schnell und einfach geht – und dann für immer erledigt ist

Weitere Infos zum Projekt „Remastering KHM“

 

Teile dieses Textes wurden mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengefasst und formuliert. Die inhaltliche Grundlage bilden öffentlich zugängliche Unterlagen der jeweiligen Förder- und Zertifizierungsstellen, sowie deren Websites.