Workshop "Urban Space"

Henning Thomsen, Kopenhagen: "Ziel ist die großzügige Stadt"
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Dabei wich auch die traditionelle Lehre vom Städtebau, die auf einer ganzheitlichen Sicht des Gebildes Stadt fußte, einem fraktionierten Zugang, bei dem verschiedenste Spezialisten - Techniker, Verkehrsingenieure, Architekten usw. - mit wenig Bezug auf- und zueinander agierten. Dies führte zu Stadtteilen, die stark auf einzelne Nutzergruppen ausgerichtet waren und andere weitgehend ausschlossen. Diese Segmentierung erwies sich insgesamt als nachteilig, und nun strebt man eine bessere Durchmischung der Nutzung des öffentlichen Raums an: "Dieser soll", so Thomsen, "so gestaltet sein, dass ihn die verschiedensten sozialen Schichten, Altersgruppen, Verkehrsteilnehmer, aber auch Einheimische und Gäste gemeinsam nutzen und sich im Miteinander wohlfühlen. Das Ziel ist 'die großzügige Stadt', deren Gestaltung durchgängig einlädt und nicht ausgrenzt."

Als Beispiele für erfolgreiche Umsetzungen, die einer Stadt zur "Großzügigkeit" verhelfen, nannte er: Barcelona, wo die gezielte Neugestaltung öffentlicher Räume die Nutzungs-Balance zwischen zentralen und peripheren Stadtteilen innerhalb einiger Jahrzehnte deutlich verbessert hat. New York hat von der intensiven Einbeziehung und Mitarbeit der unmittelbaren privaten und geschäftstreibenden Anrainer bei Umgestaltungsprojekten einzelner Straßen und Plätze profitiert. In Kopenhagen wiederum hat man es durch entsprechende Maßnahmen geschafft, dass mittlerweile ein Drittel der BewohnerInnen alle alltäglichen Wege, seien sie arbeits- oder freizeitbezogen, per Rad zurücklegt.

Erwin Bauer, Wien: "Ein modulares System entwickeln ..."
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Mag. Erwin Bauer, kreativer Kopf des Wiener Designbüros bauer - konzept & gestaltung, widmete sich als Informationsdesign-Experte dem Thema Orientierung im Stadtraum und stellte das Fußgängerleitsystem im Londoner Zentrum als "best practise"-Beispiel vor. Die Informationsdesigner des dortigen Büros "Applied" arbeiten seit Jahren gemeinsam mit London Transport, dem Bürgermeister, den lokalen Bezirksverwaltungen und den Geschäftstreibenden am Orientierungssystem "Legible London". Dieses soll TouristInnen, aber auch StadtbewohnerInnen mittels optimierter Information animieren, kurze Wege verstärkt zu Fuß zurückzulegen.

Erste Prototypen des Systems wurden bereits 2007 rund um die Oxford Street installiert. "Trotz anderer ortspezifischer Voraussetzungen in Wien, bietet 'Legible London' intelligente Ansatzpunkte, allen voran die erfolgreiche Motivation und Synchronisation höchst unterschiedlicher Player aus Politik und Wirtschaft", betonte Bauer. Parallelen zeigte er vor allem bei der Verknüpfung von Orientierungssystem und öffentlichem Verkehr auf: "London Transport und die Wiener Linien bieten bereits umfangreiche Information über ihre Verkehrswege, nicht nur bei den analogen, sondern auch digitalen Medien. Ein durchgängiges Stadt-Leitsystem sollte an diesen anknüpfen", empfiehlt er. Dass London in Bezug auf fußläufige Orientierung Wien einen Schritt voraus ist, liegt laut Bauer vor allem am Konzept, nicht auf Insellösungen in Teilbereichen zu setzen - wie etwa in Wien rund um die Hofburg -, sondern ein modulares System zu entwickeln, das durchgängig angewendet werden kann. "Mit seinen kurzen Wegdistanzen und dem guten öffentlichen Verkehrsnetz hätte aber Wien die besten Voraussetzung - vielleicht kann ja eine der nächsten Großveranstaltungen in Wien einen Impuls für die Verbesserung der Orientierung geben" konstatierte er.

Anna Popelka, Wien: "Die Stadt braucht den Menschen als Akteur im öffentlichen Raum"
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Welche Prinzipien angewandt wurden, um das MuseumsQuartier zu einem Paradebeispiel für die erfolgreiche Inszenierung öffentlichen Raums zu machen, erläuterte Anna Popelka, Mitglied von PPAG architects und Miterfinderin der Kultmöbel Enzis: "Die Stadt braucht den Menschen als Akteur im öffentlichen Raum", so ihr Credo, "und um ihn als solchen zu gewinnen, braucht es ein Angebot, das einerseits eindeutig, unverwechselbar und identitätsstiftend ist und doch auch die Bedürfnisse und Interessen von unterschiedlichen Nutzergruppen anspricht. Es sollte möglichst wandel- und entwickelbar sein, damit es auf Aktualitäten eingehen kann - eine regelrechte Inszenierung bzw. Choreografie, die über die Zeit arbeitet. Das ideale Angebot involviert den Benutzer, stimuliert bei ihm Eigenaktivität und Erfindergeist und erzeugt dadurch Bindung."

Das Beispiel MuseumsQuartier macht dies im Detail anschaulich. Seit nunmehr zehn Jahren wechseln hier viele verschiedene Konstellationen von Sitzlandschaften, Laufstegen, Theken, temporärer Architektur und sinnfreien Skulpturen im jahreszeitlichen Rhythmus - inklusive Farbwechsel - und geben den Leuten so das Gefühl, eine vertraute Umgebung immer neu zu erleben und mitzugestalten.

Die Präsentation "Die großzügige Stadt" von Henning Thomsen herunterladen

Präsentation "Überlegungen zur Bespielung des öffentlichen Raums" von Anna Popelka herunterladen

Wiener Tourismuskonferenz 2011: The Urban Age

 

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