Hauptreferat: Verborgene Antriebskräfte für den Städtetourismus

Universitäten und Creative Industries

So knüpften etwa Abu Dhabi und Singapur Allianzen mit höchst renommierten Bildungsinstitutionen wie der Pariser Sorbonne bzw. dem Massachusetts Institute of Technology (MIT), um mit deren Kooperation eigene Universitäten zu gründen, die ähnlich wie Zweigstellen der genannten Partner agieren. Dies hob nicht nur den wissenschaftlichen Standard der Destinationen, sondern hatte unter vielen anderen positiven Effekten auch den Zuzug internationaler Firmen zur Folge mit deutlicher Auswirkung auf den Geschäftstourismus.

Hauptreferent Greg Clark, London, empfiehlt, "hidden drivers" bewusst einzusetzen
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In Dublin und Berlin funktionierten laut Clark gezielte Entwicklungsprogramme für die Creative Industries, wodurch zuvor uninteressante Stadtteile hippes Flair und pittoresken Charme ausbildeten, künstlerische Aktivitäten und Festivals entstanden. Städtereisende wussten dies bald zu schätzen und zu nützen.

Stadtgestaltung und Markenmanagement 

Barcelona und San Francisco setzten auf ebenso mutige wie umfangreiche und langfristige Konzepte der Stadtgestaltung, die von großräumigen Eingriffen in die Stadtlandschaft  bis zu kleinen, aber konsequent durchgehaltenen Design-Details in der Stadtmöblierung reichten. Der Gewinn an atmosphärischer und ästhetischer Attraktivität schlug sich im touristischen Image, der Festigung der Destinationsmarke und folglich auch in höheren Besucherzahlen nieder. Wie stark eine Destinationsmarke werden kann, wenn sich Tourismus-, Marketing- und Eventagenturen sowie Wirtschaftstreibende zusammenschließen, explizierte Clark am Beispiel New York, dessen "I © NY" durch diesen Schulterschluss nicht nur zum international bekanntesten Stadt-Logo wurde, sondern mit seinem Merchandising-Programm auch noch Profite erzielt.

Team Play punktet

Eines haben die meisten von Clarks angeführten Beispielen (und es gab derer noch viele weitere) gemeinsam: Das strukturierte, organisierte, häufig auch institutionalisierte Zusammenspiel des öffentlichen und privaten Sektors in einer Destination, denn anders wären weder die nötigen Investitionen noch die Umsetzung der jeweiligen Projekte zu bewerkstelligen gewesen. Doch auch das Zusammenspiel von ganzen Destinationen kann den Tourismus einer Gesamtregion kräftig ankurbeln, berichtete er anhand der Beispiele Washington und Miami, die beide auch ihr Umland in eine gemeinsame Marke integriert haben. Es geht sogar Staatsgrenzen überschreitend, wie Vancouver (CND)/Seattle (USA) oder das Öresund-Projekt von Dänemark und Schweden bewiesen haben.

Wien bescheinigt Prof. Clark nicht nur touristisch, sondern insgesamt eine hervorragende Positionierung in der internationalen Städtekonkurrenz, und verwies dabei auf zahlreiche Rankings von renommierten Institutionen, wo Wien ausgezeichnete Werte aufweist. Er sieht aber auch noch Möglichkeiten zur Optimierung: "Wien nimmt noch nicht jene führende Rolle als Wirtschafts- und Businesszentrum in Mitteleuropa ein, für die es beste Voraussetzungen hätte", so meinte er, und "Nachholbedarf besteht vor allem bei kosmopolitischem Humankapital, beim Unternehmertum und bei der institutionellen internationalen Vernetzung hinsichtlich Wirtschaft und Ausbildung. Die Ansätze dazu sind zwar vorhanden, doch das vorhandene Potenzial wird noch nicht ausreichend genützt."

Präsentation "Boosting the urban agenda - hidden drivers for city tourism" herunterladen

Wiener Tourismuskonferenz 2011: The Urban Age

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