Wien - Anderssein im Megatrend

 

 

 

 

Univ.-Prof. Dr. Anton Pelinka, Central European University Budapest

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Laut dem zweiten Hauptreferenten der Tourismuskonferenz 2011, Prof. Anton Pelinka, ist eine Stadt attraktiv, wenn sie schön ist - „wenn  Architektur und Landschaft in Harmonie sind; wenn historische Denkmäler ein Fluidum kultureller Gediegenheit verbreiten. Eine Stadt ist aber vor allem attraktiv, wenn sie interessant ist - wenn sie mehr ist als eine glatte Fläche; wenn sie nicht einfach nur strahlt, wenn sie darüber hinaus schillert."

Die primäre Zielgruppe des WienTourismus, so Pelinka, würde den Blick vom Kahlenberg genießen und den Rundgang in Schönbrunn. „Aber diese Zielgruppe wird erst recht und noch mehr fasziniert von den historischen Unebenheiten der Stadt. Das Fin de siècle, das Carl Schorske mit seinem Buch für Generationen von US-amerikanischen Intellektuellen attraktiv gemacht hat, ist nicht ein Wien linearen Fortschritts und sich ständig steigernder Hochkultur. Dieses Wien ist auch die Stadt, in der Gustav Mahler als Hofoperndirektor ständig massiven antisemitischen Attacken ausgesetzt war; in der Karl Lueger in einer geschickten Verbindung von Österreich-Patriotismus und Deutschnationalismus von den Binnenmigranten und Migrantinnen aus den slawischen Kronländern verlangte, sie müssten ‚deutsch' werden, um sich in der Hauptstadt des Vielsprachigen, des Vielvölkerreiches heimisch fühlen zu dürfen; in der die sozialen Spannungen mitten in der industriellen und kulturellen Aufbruchsstimmung zur Entwicklung einer der stärksten Arbeiterbewegungen Europas führten - und damit die Grundlage für das ‚Rote Wien' der Jahre 1919 bis 1934 herstellten."

Zu diesem Wien, dessen städtebauliches Design lt. Pelinka die Struktur der Hauptstadt eines 8-Millionen-Staates sprenge, gehöre auch die Frage, „warum denn ein multikulturelles Reich, das 1914 der Fläche nach das zweitgrößte Europas war, untergehen musste; warum dieses Experiment europäischer Multinationalität und Multikulturalität scheiterte. Wien kann und sollte auch vermittelt werden als die Hauptstadt eines gescheiterten Experiments europäischer Einigung."

Download der Präsentation von Prof. Anton Pelinka

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