Sigmund Freud
© Max Halberstadt

Wien 2020: Freud und die Wiener Seele

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Sigmund Freud (6.5.1856 – 23.9.1939) war Archäologe der Psyche. Der Seelenforscher und Superstar der Psychoanalyse hat den Großteil seines Lebens in Wien verbracht. Genauer gesagt im 9. Bezirk, in der Berggasse 19. Seine Praxis dort war Dreh- und Angelpunkt seines Lebens. Genau hier stellte er seine wichtigsten Theorien auf und ließ die feine Wiener Gesellschaft auf seiner berühmten Couch Platz nehmen. Seine Behandlungserfolge und seine wissenschaftlichen Abhandlungen machten ihn weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Die Universität Wien ehrte den großen Wissenschaftler später mit einer Büste, die noch heute im Arkadengang besichtigt werden kann. Wenn der Workaholic Freud doch hin und wieder eine Pause einlegte, ging er gerne im heutigen Sigmund-Freud-Park vor der Votivkirche spazieren oder besuchte im Sommer abends das nahgelegene Café Landtmann und im Winter das Café Central in der Herrengasse. „Freud-Mania“ nahm bereits zu seinen Lebzeiten ihren Anfang – und sie blieb. Bis heute. Denn wie kaum ein anderer prägte Sigmund Freud ein neues, revolutionäres Bild des Menschen. Auch sein Frauenbild unterschied sich von dem seiner Zeitgenossen. In Freuds Leben spielten Frauen die Hauptrollen. Sie waren seine Mentorinnen, seine Förderinnen, seine Patientinnen und seine Nachfolgerinnen. Die wohl wichtigste Frau in Freuds Leben war bis zum Schluss seine Tochter Anna Freud. Sie trat in seine Fußstapfen, führte seine Lehren fort und begleitete ihn auf seinem letzten Weg von Wien nach London. Während Freuds internationales Ansehen immer weiterwuchs, verbrannten die Nationalsozialisten seine Bücher. Mit 82 Jahren war er 1938 gezwungen, sein Wien zu verlassen. Er flüchtete nach London und ließ sich knapp ein Jahr später im Exil mit der Hilfe seines Hausarztes aufgrund einer unheilbaren Krebserkrankung durch eine Überdosis Morphium das Leben nehmen.

Die Erinnerung an ihn wird bis heute in der Berggasse 19 aufrechterhalten. Denn hier befindet sich die wichtigste Freud-Location der Stadt. 47 Jahre lang war sie die Wirkungsstätte Freuds. Seit 1971 ist das Sigmund Freud Museum in seiner ehemaligen Praxis beheimatet. In diesen Räumen hat er den Großteil seiner Schriften verfasst, seine Mittwoch-Gesellschaften abgehalten und seine berühmt-berüchtigten Zigarren geraucht. Dank Marie Bonaparte, Freuds langjähriger Vertrauten, konnte er bei seiner Flucht das gesamte Mobiliar nach London mitnehmen. Freuds Couch kann man in Wien zwar nicht mehr bestaunen, aber ab Ende August 2020 wandelt man in den neu renovierten Privaträumen von Sigmund Freud auf seinen Spuren. Sie werden zum ersten Mal für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Übrigens: Das Werk des mit Freud und Adler bekannten späteren Neurologen und Psychiaters Viktor Frankl kann unweit der Berggasse im Viktor Frankl Museum besichtigt werden.

Auch der Online-Streaming-Dienst Netflix würdigt 2020 den Begründer der Psychoanalyse. Voraussichtlich ab April geht die neue Serie „Freud“ on air. Die acht jeweils 45 Minuten langen Folgen, produziert von der Wiener Produktionsfirma SATEL und Bavaria Fiction für ORF und Netflix, portraitieren die jungen Jahre des Sigmund Freud, der sich in eine mörderische Verschwörung verstrickt. Der österreichische Regisseur und Drehbuch-Autor Marvin Kren dazu: „Ich möchte einen ‚Freud‘ zeigen, den wir so nicht kennen und noch nie gesehen haben – einen Mann auf der Suche nach Anerkennung, zwischen zwei Frauen, zwischen Vernunft und Trieben.“[1] Der Thriller-Krimi nimmt uns mit auf eine spannende Reise durch das Wien des Fin de Siècle. Über Netflix wird die Serie in 30 verschiedenen Sprachen in rund 148 Millionen Haushalten weltweit ausgestrahlt.

Freud war nicht nur ein herausragender Wissenschaftler. Er inspirierte, war Muse und hat wie kaum ein anderer tiefe Spuren in der Kunst hinterlassen. Auch Künstler von heute lassen sich von Freud inspirieren, allen voran der Wiener Street-Art-Künstler Nychos, der Freud mit einem Mural am Donaukanal bei der Spittelau ein zeitgenössisches Denkmal setzte.

Auf der Bellevuehöhe im 19. Bezirk stand damals das Hotel Schloss Bellevue. Ein beliebtes Sommerausflugsziel der Wiener – und der Familie Freud. In der Nacht vom 23. auf den 24. Juli 1895 träumte Freud hier den alles entscheidenden Traum, der ihn zur „Traumdeutung“ führte – es war die Geburtsstunde der Psychoanalyse. 2020 jährt sich die Veröffentlichung von Freuds berühmten Grundlagenwerk, das heute noch Gültigkeit hat, zum 120. Mal. Auch heute genießt man auf der Bellevuewiese, wie der Name schon sagt, noch immer einen der schönsten Ausblicke über Wien.

Freud legte mit seinen Analysen Verborgenes frei. Er blickte in tiefe Abgründe, denn das Morbide, das Melancholische, das Leidende war und ist noch immer typisch Wien. Und diesem Teil der Wiener Seele kann man noch heute auf die vielfältigste Art und Weise begegnen. Wie zum Beispiel dem Wiener Pompfüneberer (Totengräber), der die Wiener Seelen zu ihrer letzten Ruhestätte auf den Friedhof geleitet. Oder man hört der Wiener Seele zu – bei einem Wienerlied-Konzert, das vor Melancholie und schwarzem Humor nur so strotzt. Auch der weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannte Wiener Grant und die oft belächelte „Titel-Manie“ der Wiener geben ihren ganz eigenen Teil der Wiener Seele preis. Der Seelenforscher Freud hätte also auch mit den Wienern des 21. Jahrhunderts seine Freude und genug zu tun gehabt.

Freud ist also nach wie vor ein sehr lebendiger Teil Wiens. Und wird es auch in Zukunft bleiben.

Wichtige Adressen

Sigmund Freud Museum

Berggasse 19, 1090 Wien
  • Vienna City Card

  • Preise

    • Kostenlose Audioguides in den Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Russisch
  • Öffnungszeiten

    • Mo, 10:00 - 18:00
    • Di, 10:00 - 18:00
    • Mi, 10:00 - 21:00
    • Do, 10:00 - 18:00
    • Fr, 10:00 - 18:00
    • Sa, 10:00 - 18:00
    • So, 10:00 - 18:00
  • Barrierefreiheit

    • Haupteingang
      • stufenlos (Schwingtüre   120  cm  breit )
    • Lift vorhanden
      • 120 cm breit und 140 cm tief , Tür 90 cm breit
    • Weitere Informationen
      • Blindenhunde erlaubt
      • Behinderten-WC mit barrierefreiem Zugang vorhanden.

Good to know: Das Sigmund Freud Museum wird im Mai 2020 nach einjähriger Renovierung neu eröffnet.

Sigmund-Freud-Park

Straße des Achten Mai/Votivkirche, 1090 Wien

Sigmund Freud Privatuniversität

Freudplatz 1, 1020 Wien

Café Landtmann

Universitätsring 4, 1010 Wien
  • Öffnungszeiten

    • Mo - So, 07:30 - 00:00
    • Klaviermusik So, Mo, Di 20 - 23 Uhr (Sommer: nur Mo, Di)
  • Barrierefreiheit

    • Haupteingang
      • stufenlos (Doppelschwingtüre   120  cm  breit )
    • Weitere Informationen
      • Blindenhunde erlaubt
      • Behinderten-WC mit barrierefreiem Zugang vorhanden.

Good to know: Anna von Lieben, bei Freud auch bekannt als Fall Cäcilie M., bewohnte damals die Beletage im Palais Lieben-Auspitz, direkt über dem Café Landtmann.

Café Central

Herrengasse/Strauchgasse, 1010 Wien
  • Öffnungszeiten

    • Mo - Do, 08:30 - 17:30
    • Fr - Sa, 08:30 - 20:00
    • feiertags - So, 10:00 - 17:30
    • Klaviermusik tägl. 17 - 22 Uhr
  • Barrierefreiheit

    • Haupteingang
      • 5 Stufen (Doppelschwingtüre )
    • Nebeneingang
      • 3 Stufen (Schwingtüre )
        Mobile Rampe
    • Lift vorhanden
      • 120 cm breit und 77 cm tief , Tür 89 cm breit
    • Weitere Informationen
      • Blindenhunde erlaubt
      • Behinderten-WC mit barrierefreiem Zugang vorhanden.
    • Anmerkungen

      Barrierefreies WC mit Lift erreichbar.

Universität Wien

Universitätsring 1 , 1010 Wien
  • Öffnungszeiten

    • Mo, 06:00 - 22:00
    • Di, 06:00 - 22:00
    • Mi, 06:00 - 22:00
    • Do, 06:00 - 22:00
    • Fr, 06:00 - 22:00
    • Sa, 07:00 - 19:30
    • Geschlossen: 15.08; 15.07 - 31.08.: Mo-Fr nur bis 20 Uhr geöffnet

Good to know: Im Arkadenhof der Universität Wien steht seit 1955 eine Büste von Sigmund Freud. Die Datierung (1885-1934) geht auf Freuds Lehrtätigkeit ein, nicht auf seine Lebenszeit.

Viktor Frankl Museum Wien

Mariannengasse 1/15, 1090 Wien

Bellevuewiese

Himmelstrasse 115, 1190 Wien

Good to know: Heute genießt man auf der Bellevuewiese einen großartigen Blick über Wien. Ein Gedenkstein erinnert hier an den wohl wichtigsten Traum der Geschichte.

NETFLIX-SERIE „FREUD“
www.netflix.com
Good to know: Die Serie feiert bei der 70. Berlinale im Februar 2020 ihre Premiere und wird ab April 2020 auf Netflix verfügbar sein.

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