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Pärchen in einer Kutsche
© WienTourismus/Peter Rigaud

Wiener Originale

Wien ist die lebenswerteste Stadt der Welt, das hat die Mercer-Studie schon zehn Mal offiziell bestätigt. Doch wer sind die Menschen, die Wien prägen und der Stadt erst ihre Identität verleihen? Vergleichen wir Wien mit einer Wiener Kaffeesorte: der Melange. Denn auch für die Stadt gilt, dass eine ganz bestimmte Mischung nötig ist. Unterschiedliche Einflüsse, Gemüter und Stilrichtungen ergeben die Wiener Seele: das Herz am richtigen Fleck, schrullig, sudernd, grantig, raunzend und melancholisch. Gleichzeitig aber auch kosmopolitisch, tolerant und großzügig.

Wiener Typen

Bei „Wiener Originale“ stehen die Menschen im Mittelpunkt. Wir holen sie vor den Vorhang. Wir erfahren ihre Lebensgeschichten und nehmen Anteil an ihren Schicksalen und Erfolgen. Wo wir sie finden? - In ganz Wien.

Im Hotel ist der Rezeptionist mit dem sechsten Sinn ausgestattet, den Kunden ihre Wünsche von den Augen abzulesen. Im Kaffeehaus bedienen die Kellner auf typisch Wienerische Art. Im Café Demel etwa spricht das weibliche Servierpersonal – „Demelinerinnen“ genannt – seine Gäste nur in der dritten Person an: „Haben schon gewählt?“ Kaffeehausbesitzerin Susanne Widl ist die „Ober-Dirigentin“ im Café Korb, wo – genauso wie im legendären Schwarzen Kameel – ein Potpourri an Wiener Typen anzutreffen ist. Ganz nach dem Motto: Gehen wir Wiener schauen.

Tief in der DNA der Stadt

Früh morgens manövrieren die Mitarbeiter des legendären Wiener Stadtbetriebs MA48 die orangen Müllwagen zentimetergenau durch die schmalen Gassen. Die „Mistkübler“ sind eine Institution. Hören wir ihre Geschichten über ihre Stammkundschaft im Grätzel. Einblick in die grantig-sarkastische Facette der Wiener Seele erhalten alle Unbedarften, die auf der Rolltreppe die unausgesprochene Linksverkehrsregel nicht beachten. Variantenreich sind die Aufforderungen, doch bitte Platz zu machen …

Ganz anders der Wiener, sobald er eine Sache für gut befunden hat: Zu beobachten etwa am treuen Wiener Konzertpublikum, dem Musikstars aus aller Welt für seine maßlose Begeisterung Rosen streuen. Dann gibt es noch den Wiener in Ausübung des Nichtstuns. Das beherrscht er gut. Heißer Tipp: Im Sommer ein Besuch im Gänsehäufel – ein Strandbad an der Alten Donau und Sinnbild der Wiener Badekultur. Eine authentische Gegenwelt zum Vergnügungspark Prater ist der unbekanntere Böhmische Prater, wo der Wiener entschleunigt. Wo weniger mehr ist.

Personen und Professionen

Viele Wiener identifizieren sich mit ihrem Beruf, sie leben ihre Profession. Handwerk in höchster Perfektion betreibt etwa Markus Scheer, Schuhmacher in siebenter Generation. Oder Robert Comploj, Inhaber der Glashütte Comploj. Oder Jean-Paul Vaugoin, der in seiner Silberschmiede Geschichten von Königshäusern erzählt. Musikliebhabern wird das Herz warm, wenn sie Geigenbauerin Bärbel Bellinghausen besuchen. Sie hat auch eigens patentierte „Violin Cocoons“ entworfen – edle Hüllen zur Aufbewahrung wertvoller Geigen.

Für die Musik leben in Wien schon die Jüngsten: Die Wiener Sängerknaben sind genauso weltberühmt wie immer hungrig. Wiener Originale sind auch die Lipizzaner und ihre Bereiter, die die Hohe Schule der spanischen Reitkunst vorführen. Und natürlich die weltberühmten Fiaker: Hier sind sowohl Kutscher als auch Pferde Wiener Originale.

Originale Orte – only in Vienna

Wien verfügt aber auch über unvergleichliche Orte. Kunstsammlungen von Weltruf, mit Werken von Gustav Klimt, Egon Schiele und Pieter Bruegel. Und einzigartige kleinere Museen zu Themen, auf die man einmal kommen muss.

Der Wiener hat bekanntlich ein Naheverhältnis zum Morbiden. Herrlich skurril die Herangehensweise des Bestattungsmuseums: Im Museumsshop sind Kochschürzen mit Aufdruck „Ich nasche bis zur Asche“ erhältlich. „Der Dritte Mann“ von Orson Welles ist ein internationaler Kultfilm – alles dazu findet sich im liebevoll geführten Dritte Mann Museum. Rund 50.000 Exponate machen den Narrenturm zur größten pathologisch-anatomischen Sammlung der Welt. Aber Achtung: Der ist nichts für schwache Nerven.

Beschaulicher geht es zu im Schneekugelmuseum, wo Erwin Perzy III. die beliebten Wien-Souvenirs mit viel Liebe herstellt. Hat doch sein Großvater im Jahr 1900 die Schneekugel erfunden. Das Uhrenmuseum widmet sich ganz der Zeitmessung – mit vollem Sound zur vollen Stunde. Noch manch anderes außergewöhnliches Sammelsurium gibt es zu entdecken, wie ein Mini-Museum für Automaten oder ein Museum für das stille Örtchen.

Und Wiens Bühnen, Konzertsäle und Opernhäuser sind mehr als Arbeitsstätten für Künstler und Handwerker: Sie sind deren zweites Zuhause. Wenn Bühnenarbeiter, Tischler oder Beleuchter aus dem Nähkästchen plaudern, kommt Erstaunliches ins Rampenlicht. Handwerkskunst in Perfektion gibt es zu bestaunen im Stadtsalon der Bösendorfer Klaviermanufaktur. 587 Stunden Handarbeit stecken in einem einzigen Instrument.

Events für die Welt

Das Neujahrskonzert und das Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker zählen zu jenen Mega-Veranstaltungen, die es so nur in Wien gibt und ein Millionenpublikum erreichen. Auch nur hier zu erleben: das Donauinselfest und das Musikfilmfestival am Rathausplatz.

Wien persönlich erleben, in die Stadt eintauchen – das ist mehr als Sightseeing. Die Wiener Originale gilt es kennenzulernen – zu allererst die Menschen, ihre Eigenheiten, ihre Fähigkeiten und ihre Sicht der Welt. Das Tempo, in dem sie leben. Die Wiener Art, vom Wiener Grant bis zum Wiener Schmäh. Wer sich darauf einlässt, lernt das wahre Wien kennen. Und nimmt ein Stück neues Lebensgefühl für sich selbst mit.

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Zahlen, Daten, Fakten

  • Wiener Sängerknaben: älteste Boygroup der Welt (seit1498), seit 2017 UNESCO Weltkulturerbe. Jeder Bub tritt jährlich 80 Mal auf. (Quelle: wsk.at/ausbildung)