WienTourismus-Kampagne versteckte Klimts „Kuss“ hinter Hashtag

Sich vor dem weltberühmten Kuss in Pose werfen, knipsen, Foto prüfen, nochmal knipsen, Farbfilter drüber, Hashtag dazu und: teilen! Wer heute die Welt sieht, möchte, dass die Welt dabei zusieht. Auf der Jagd nach dem perfekten Schnappschuss samt dazugehöriger Likes vergisst manch Urlauber seine Umgebung. Statt den besonderen Moment zu genießen, wird so lange durch die Linse geblickt, bis die Foto-Story perfekt ist, das Essen aber kalt. Sieht so das ideale Urlaubserlebnis im Jahr 2018 aus? Augenzwinkernd griff der WienTourismus in seiner jüngsten Kampagne ein weltweites Phänomen auf und propagierte „digital detox“ – digitale Entgiftung. „Wien bietet die Erlebnisse einer Metropole ohne die Stressfaktoren einer Metropole, das zeichnet uns im Vergleich zu unseren Mitbewerbern aus. Daher regen wir unser Publikum aktiv an, Augenblicke und Attraktionen wieder bewusster, mit allen Sinnen zu genießen – Selfies & Co gerne weiterhin, doch etwas weniger oft und souveräner zu gebrauchen“, erklärt Tourismusdirektor Norbert Kettner. „Unsere Kampagne soll wohlgemerkt kein Fingerzeig und erst recht kein Plädoyer gegen die Sozialen Medien sein. Wir nutzen sie im Tourismusmarketing ja selber sehr intensiv für unsere Botschaften, selbst im Rahmen dieser Aktion. Vielmehr streichen wir mit einer Portion Humor Wiens Zugang zur Digitalisierung hervor, bei der wir nach wie vor den Menschen, seine Erlebnisse und Genussmomente in der Destination in den Mittelpunkt stellen.“

See Vienna. Not #Vienna: Enjoy the city behind your pics!

Bis Ende November wurde das Publikum in Hamburg, Berlin und London im Rahmen einer 360-Grad-Kampagne im öffentlichen Raum und selbstverständlich auch in den Social Media adressiert. Sie zeigte Reisende, die mehr mit ihrem Smartphone denn der eigentlichen Attraktion beschäftigt sind. Im Hintergrund der Sujets waren klassische Wien-Attraktionen zu sehen, ins Bild gesetzt wurde aber die skurrile Situation des Fotografierens. Ein großer Hashtag in der Bildmitte verstellte zusätzlich die Sicht und tand pars pro toto für eine verlorengegangene Freiheit, den Urlaub in all seinen Facetten uneingeschränkt genießen zu können. Die Botschaft lautete: „Wien sehen – nicht #Wien. Genieße die Stadt hinter Deinen Fotos!“. Sie war in Deutschland auf rund 700 City Lights, auf Plakaten in Londons U-Bahn und großflächig in der Waterloo- sowie Liverpool-Station sowie am Cover des Monatsmagazins „Balance“ zu sehen. Online wurde die Zielgruppe auf Instagram, Facebook und per Bannerwerbung erreicht. Auf http://unhashtag.vienna.info wurde Wiens Botschaft vertieft.

Provokant: Klimts Kuss im Oberen Belvedere mit # überklebt

Plakativer Kampagnenbestandteil war eine Kooperation zwischen dem Belvedere und dem WienTourismus: Wer Klimts „Kuss“ in der Zeit von 6. bis 8. November im Oberen Belvedere besucht hat, bekam an diesen drei Tagen eine Replik zu sehen, die mit einem großen, roten Hashtag überklebt wurde. Einer Enttäuschung des Publikums, das weltberühmte Gemälde nicht sehen zu können, wurde selbstverständlich vorgebaut: das Originalwerk war nur einen Raum weiter unverdeckt zu betrachten – PromotorInnen des WienTourismus stellten sicher, dass niemand den echten "Kuss" versäumt. „Wir machen bei dieser Aktion mit, weil wir uns als Museum genau im angesprochenen Spannungsfeld zwischen digitaler Kommunikation und Kunstgenuss bewegen. Wir ermöglichen das Fotografieren in unseren Ausstellungsräumen und freuen uns über Social Media Beiträge, gleichzeitig ist uns wichtig, dass unsere BesucherInnen die Kunstwerke in Ruhe erleben können. Hier eine Balance zu finden, ist eine tägliche Herausforderung“, so Stella Rollig, Generaldirektorin Belvedere.   

Influencer auf digitalem „Entzug“ in Wien

Weniger fotografieren, mehr erleben – so lautete das Motto des Wien-Besuchs der Influencerinnen Uwa Scholz aus Deutschland (https://www.instagram.com/uwa2000/?hl=en) und der „Twins That Travel“ Claire und Laura aus UK (https://www.instagram.com/twins_that_travel/). Sie verbrachten auf Einladung des WienTourismus jeweils drei Tage in Wien, um gerade das nicht zu tun, was sie üblicherweise machen: jeden Schritt ihrer Reise zu dokumentieren und mittels Hashtag zu teilen. Mit analoger Sofortbildkamera ausgerüstet fotografierten sie bei ihrer Entdeckungsreise in Wien um ein Vielfaches weniger, konnten dafür aber unzählige Momente bewusst und stressfrei erleben. Im Nachhinein berichten sie ihren Fans vom analogen Wien-Eindruck.

Sofortbildkamera-Aktion in der Tourist-Info

Schon bei der Ankunft am Flughafen Wien wurden Reisende auf den Bildschirmen der Gepäckabholung begrüßt: „Welcome to Vienna. Not #Vienna“. Bei der Tourist-Info am Albertinaplatz konnten sie den gesamten November über kostenlos Sofortbildkameras ausborgen und ihrem Handy eine Pause gönnen. Bei nur zehn möglichen Aufnahmen bllieb ausreichend Zeit, Wien in vollen Zügen zu genießen.

http://unhashtag.vienna.info

Credits

  • Auftraggeber: WienTourismus
  • Agentur: WIEN NORD Werbeagentur
  • Fotograf der Sujets: Paul Bauer

Zum Video "Unhashtag Wien - Klimt sehen. Nicht #Klimt"

Video: Unhashtag Wien - Klimt sehen. Nicht #Klimt

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