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Wien-Presse-Info – September 2021 Moderne Kunst und Architekturjuwele

Ein Pavillon auf Reisen

Das Belvedere 21, eines der wichtigsten Zentren der Stadt für zeitgenössische Kunst, wurde ursprünglich gar nicht in Wien erbaut – sondern in Brüssel. Stararchitekt Karl Schwanzer hatte 1958 den Österreich-Pavillon für die Weltausstellung entworfen und dafür auch den Grand Prix d'Architecture eingeheimst. Anfang der 1960er wurde die Glas-Stahl-Konstruktion dann in ihre Einzelteile zerlegt und im Schweizergarten im 3. Bezirk wieder aufgebaut. Die klaren Formen, gläsernen Hallen und neuen Baustoffe ergaben ein Paradebeispiel moderner Architektur. Das neu geschaffene Museum des 20. Jahrhunderts, im Volksmund „20er Haus“ genannt, ebnete den Raum für zeitgenössische Kunst in Wien. Nach der Übergabe 2002 an das Belvedere und einer umfassenden Renovierung eröffnete das Museum 2011 unter dem Namen „21er Haus“ bzw. 2018 als das heute bekannte „Belvedere 21“.

Das Gebäude gilt als Architekturikone der Nachkriegsmoderne. In den lichtdurchfluteten offenen Räumen werden vor allem österreichische Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts – z. B. von Fritz Wotruba, Erwin Wurm, Christian Ludwig Attersee oder derzeit Lois Weinberger – sowie internationale Wechselausstellungen gezeigt. Sehenswert ist auch der Skulpturengarten im Außenbereich. Zusätzlich finden regelmäßig Konzerte, Lesungen, Vorträge und Filmvorführungen statt – was aus dem Belvedere 21 einen lebendigen, urbanen Kunstraum macht.

Neue alte Pracht

Eine bewegte Geschichte hat auch das bereits über 150 Jahre alte Künstlerhaus am Karlsplatz hinter sich. Das architektonische Hauptwerk des Wiener Historismus wurde im Zuge des Ringstraßenbaus errichtet, Kaiser Franz Joseph setzte damals den Schlussstein. Es dient in Wien seit seiner Eröffnung 1868 als wichtiges Ausstellungshaus für Malerei, Bildhauerei, Architektur und angewandte Kunst. Seit Mai 2020 beheimatet das Gebäude – neben der Künstlerhaus Vereinigung, dem Stadtkino im Künstlerhaus und dem Restaurant Ludwig und Adele – mit der Albertina modern auch eines der größten Museen für zeitgenössische Kunst. 

Die Dependance der Albertina zeigt auf über 2.000 Quadratmetern im Erd- und Untergeschoss des Gebäudes die vielfältige zeitgenössische Kunst in Österreich nach 1945. Internationale Beiträge von Andy Warhol oder Roy Lichtenstein aus der eigenen Sammlung, die über 60.000 Werke von 5.000 Künstler:innen umfasst, runden das Programm ab. Für die museale Nutzung waren am Gebäude umfangreiche Renovierungsarbeiten nötig geworden. Zwischen 2017 bis 2020 wurden Innen- und Außenbereiche mit großem Aufwand modernisiert. So wurden etwa alte originale Wandbemalungen und Dekorationen ebenso wiederhergestellt wie die ursprünglichen Terrazzoböden. Heute erstrahlt das Künstlerhaus wieder in einer Pracht wie zur Zeit des Ringstraßenbaus.

Tipp: Die beiden Herbstausstellungen der Albertina modern „Schiele und die Folgen“ (ab 10. September) sowie „The 80s. Anything goes“ (ab 10. Oktober) versprechen Kunst-Genuss pur!

Grauer Blickfang im MQ

Wer in Wien zeitgenössische Kunst sucht, kommt auch am MuseumsQuartier (MQ) nicht vorbei. Mit über 90.000 Quadratmetern und 60 kulturellen Einrichtungen ist es eines der weltgrößten Kunst-Areale. Vor genau 20 Jahren wurde das MQ eröffnet. Die 1725 als kaiserliche Hofstallungen angelegten Barock-Gebäude treffen hier auf moderne Architektur in Form von neuen Museumsbauten. Das mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien ist das größte Museum für moderne und zeitgenössische Kunst Mitteleuropas. Einst im „20er Haus“ und dann im Gartenpalais Liechtenstein angesiedelt, ist es heute fixer Bestandteil des MuseumsQuartiers.

Auch wegen seiner Optik – denn das Gebäude ist schon von Weitem ein Hingucker. Der kubische, mit anthrazitgrauem Vulkangestein ummantelte Museumsbau mit seinem gekrümmten Dach – gestaltet von den Architekten Ortner & Ortner – bietet 4.800 Quadratmeter Ausstellungsfläche auf mehreren Ebenen. Markant sind auch Aussparungen in der Decke, die Tageslicht durchlassen sowie ein Panoramafenster im obersten Geschoss. Gezeigt wird im mumok ein beeindruckender Querschnitt der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Die Sammlung umfasst knapp 10.000 Exponate. Schwerpunkte sind Pop-Art und Fotorealismus, Fluxus und Nouveau Réalisme sowie der Wiener Aktionismus. Dieses Jahr werden drei Jubiläen gefeiert:  40 Jahre Ludwig-Stiftung, 20 Jahre Ansiedelung im MuseumsQuartier und zehn Jahre Direktorin Karola Kraus. Noch bis April 2022 läuft die Jubiläumsschau „Enjoy – die mumok Sammlung im Wandel“.

Nachhaltig überraschend

Kunst und Architektur sind in Wien auch unzertrennbar mit dem Namen Friedensreich Hundertwasser (1928-2000) verbunden. Das von ihm gestaltete und vor genau 30 Jahren eröffnete Kunst Haus Wien ist ein wichtiger Hotspot für zeitgenössische Kunst, mit einem Fokus auf das Medium Fotografie. Die zusätzliche, permanente Hundertwasser-Werkschau erstreckt sich über zwei Stockwerke.

Der ganz und gar ungewöhnliche Museumsbau überrascht mit unzähligen bunten Flächen und unregelmäßigen Formen. Dafür wurde die einstige Bugholzmöbelfabrik Thonet aus dem Jahr 1892 umgebaut und ihr der einzigartige Stil Hundertwassers verpasst. Gerade Linien und klare Formen sucht man in diesem Gebäude vergeblich. Charakteristisch sind unzählige Elemente aus Glas, Metall, Mosaiksteinen, Ziegeln, Holz und Keramikfliesen. Genauso wie die Bepflanzung, die zum Gebäude einfach dazugehört. Denn „grün“ spielt eine wesentliche Rolle im Kunst Haus Wien: Die Ideen Hundertwassers zu Ökologie und Nachhaltigkeit – er war einer der ersten grünen Vordenker Europas – werden regelmäßig thematisiert. 2018 wurde das Kunst Haus Wien als erstes grünes Museum der Stadt mit dem Österreichischen Umweltzeichen zertifiziert. 

Seither haben vier weitere Wiener Museen diese Auszeichnung erhalten: das Naturhistorische Museum Wien, das MAK – Museum für angewandte Kunst, das Technische Museum Wien und die Österreichische Nationalbibliothek. Voraussetzung dafür ist ein bewusster Umgang mit Ressourcen und ein Fokus auf gesellschaftspolitische Verantwortung.


Kontakt:

WienTourismus
Isabella Rauter
Internationale Presse
Tel. (+ 43 1) 211 14-301