2015 Rekordjahr für Tagungsdestination Wien: mehr Veranstaltungen, Nächtigungen und Wertschöpfung denn je

„Allen Akteurinnen und Akteuren in Wiens Tagungsindustrie sei hier aufs herzlichste gratuliert“, so Kettner einleitend, „denn sie haben vergangenes Jahr das beste Ergebnis in Wiens Geschichte als Meeting-Destination erzielt. Unsere Stadt hat 2015 insgesamt 3.685 Kongresse und Firmenveranstaltungen beherbergt, das sind um 3 % mehr als 2014. Die dadurch ausgelösten Nächtigungen belaufen sich auf 1.682.966, was einer Steigerung um 13 % entspricht und einem Anteil von 12 % an Wiens vorjährigem Gesamtnächtigungsergebnis. Der Beitrag von Wiens Tagungsindustrie zur österreichweiten Wertschöpfung hat sich gegenüber 2014 um 16 % auf 1.038 Millionen EURO erhöht und somit erstmals die markante Grenze von einer Milliarde überschritten. Außerdem haben die Veranstaltungen landesweit mehr als 19.000 Ganzjahresarbeitsplätze gesichert. Das bisherige Tagungs-Rekordjahr 2012 wurde so in allen relevanten Kennzahlen übertroffen, und die Ergebnisse der 2014 bis 2016 durchgeführten Studie zum Tagungsstandort Wien ergänzen dieses positive Bild: Sie zeigen Wien als Tagungsmetropole, die den in der Tourismusstrategie Wien 2020 postulierten Kriterien ‚global – smart – premium‘ bestens entspricht.“

Internationale Kongresse bestimmen das Gesamtresultat

Die 3.685 Veranstaltungen, die 2015 in Wien stattfanden, teilen sich auf in 1.392 Kongresse (- 5 %), davon 649 nationale (- 4 %) und 743 internationale (- 5 %) sowie in 2.293 (+ 8 %) Firmenveranstaltungen (Tagungen und Incentives), 1.049 davon nationale (+ 26 %) und 1.244 internationale (- 4 %). Ausschlaggebend für das wirtschaftliche Ergebnis der Wiener Tagungsindustrie sind die internationalen Kongresse, denn sie bringen die meisten Nächtigungen und die höchsten Umsätze. Dass ihre Anzahl 2015 gesunken, das Ergebnis aber trotzdem so signifikant positiv ausgefallen ist, ist nur ein scheinbarer Widerspruch, den Christian Mutschlechner folgendermaßen auflöste: „Zwar hat es in Summe weniger dieser Veranstaltungen gegeben“, erklärte der Leiter des Vienna Convention Bureau, „doch waren darunter mehr Großkongresse als 2014. Diese bringen nicht nur hohe Teilnehmerzahlen, sie dauern auch länger, und beides wirkt sich entsprechend auf Nächtigungen und Umsätze aus. Mit einer solchen Tagung wird auf einem Schlag einfach mehr wirtschaftlicher Impact erzielt.“ Wie stark Wiens Erfolg als Tagungsdestination mit den internationalen Kongressen steht und fällt, zeigen folgende Zahlen: Ihr Anteil am Gesamttagungsaufkommen 2015 betrug lediglich 20 %, sie brachten allerdings über die Hälfte aller TeilnehmerInnen, 76 % der Nächtigungen und 81 % der Wertschöpfung in diesem Segment.

Signifikant höher als bei FreizeitbesucherInnen sind die Ausgaben der Kongress-TeilnehmerInnen: 2015 waren dies durchschnittlich 534 EURO pro Kopf und Tag, und das ist etwa doppelt soviel wie der Vergleichswert von der Gesamtheit aller Wien-BesucherInnen. Der Teilbereich der Firmentagungen ist generell zwar von vergleichsweise geringerer Bedeutung, aber keineswegs ein zu vernachlässigender Faktor, nicht zuletzt weil diese Veranstaltungen u.a. eine wichtige Rolle in der Auslastung der einschlägigen Infrastruktur inklusive Hotellerie sowie der Dienstleister im Tagungssektor spielen.

Landesweite Wertschöpfung aus Wiens Tagungsindustrie erstmals über 1 Milliarde

Durch die gesamten Veranstaltungen der Wiener Tagungsindustrie 2015 wurde in Österreich eine Wertschöpfung von 1.038,5 Millionen EURO (+ 16 %) bewirkt und damit erstmals die Grenze von einer Milliarde übertroffen. Die Wertschöpfung berücksichtigt alle inlandswirksamen Umsätze. Dazu gehören die direkten Ausgaben der VeranstaltungsteilnehmerInnen, Veranstalter, Aussteller und Begleitpersonen sowie Einnahmen in „vorgelagerten" Wirtschaftszweigen, die indirekt von den Veranstaltungen verursacht wurden (z.B. Nahrungs- und Genussmittelindustrie, Druckereigewerbe, Bauwirtschaft, Banken, Versicherungen, Kommunikationsunternehmen etc.). An Steuern erbrachte der Wiener Tagungssektor insgesamt 287,2 Millionen EURO, davon gingen 188 Millionen an den Bund und 35 Millionen an Wien, der Rest an die anderen Bundesländer bzw. Gemeinden. Basis für die Berechnung von Wertschöpfung und steuerlichen Effekten ist das von Dr. Martina Stoff-Hochreiner entwickelte wissenschaftlich anerkannte EVENT-MODEL-AUSTRIA.

Highlights für Wiens Tagungsindustrie 2016

  • Europäischer Radiologie-Kongress, 20.000 Tn.,,  2. – 6.3. Austria Center Vienna
  • Europäische Geowissenschaftliche Union, 14.000 Tn., 17. – 22.4. Austria Center Vienna
  • Internationales Motorensymposium, 1.000 Tn., 28. – 29.4. Hofburg Vienna
  • Pioneers Festival: Start-ups für innovative Produkte, 2.500 Tn., 23. – 25.5. Hofburg Vienna
  • Europ. Geowissenschafts- & Ingenieurs-Kongress, 6.500 Tn., 30.5. – 2.6. Reed Messe Wien
  • Europäische Akademie für Allergologie & Immunologie, 8.000 Tn., 11. – 15.6. Reed Messe Wien
  • Forum der Internationalen Soziologie-Vereinigung, 4.000 Tn., 10. – 14.7. Universität Wien
  • Europäischer Notfallmedizin-Kongress, 2.500 Tn., 1. – 5.10. Hofburg Vienna
  • Internat. Messe der Zeitungs- und Medienindustrie, 8.000 Tn., 10. – 12.10. Reed Messe Wien
  • Europäische Gastroenterologie-Vereinigung, 14.000 Tn., 15. – 19.10. Austria Center Vienna

„Stammkunde“ UEG Week : Europas größter Gastroenterologie-Kongress

Zu den publikumsstärksten internationalen Kongressen des heurigen Jahres zählt die UEG Week, der Jahreskongress der Europäischen Gastroenterologie-Vereinigung (United European Gastroenterology, UEG), der 2013 von Wien und Barcelona als „Stammkunde“ beider Städte gewonnen wurde. Seit 2014 und vorläufig bis 2019 tagt er jährlich alternierend in einer der beiden Destinationen (heuer von 15. bis 19.10. im Austria Center Vienna). Prof. Michael P. Manns, M.D., der Präsident der Europäischen Gastroenterologie-Vereinigung UEG und Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie am Zentrum Innere Medizin der Medizinischen Hochschule Hannover, war Gastreferent bei der Pressekonferenz und betonte: „War bis 2013 der Austragungsort immer eine andere europäische Stadt, so haben wir uns 2013 für das ‚2-Venue Rotationsmodell‘ entschieden. Es ergeben sich daraus viele logistische und organisatorische Vorteile und eine deutliche Entlastung in diesen Arbeitsbereichen, sodass sich die UEG noch mehr auf die inhaltlich qualitative Verbesserung des Kongresses konzentrieren und neue Lehr- und Wissensvermittlungsmethoden einführen kann. Für Wien und Barcelona sprachen die unbestrittene Attraktivität beider Städte und ihrer Kongressinfrastruktur wie auch das gute Zusammenspiel der Convention Bureaus beider Städte.“

Die UEG wurde 1992 als wissenschaftlicher Dachverband zur Erforschung der Verdauungsorgane und zur Weiterbildung gegründet, heute ist sie der größte Dachverband der führenden europäischen Fachgesellschaften und repräsentiert mehr als 22.000 ÄrztInnen und WissenschaftlerInnen aus der Gastroenterologie. Sie fördert sehr erfolgreich wissenschaftliche Projekte und Studien und unterstützt aktiv den wissenschaftlichen Nachwuchs durch Fortbildungsmaßnahmen. Ein besonderes Anliegen ist ihr die Unterstützung der Entwicklung von Standards und Behandlungsleitlinien für die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Verdauungsorgane. Dies geschieht durch aktive Partnerschaften und Aktivitäten mit europäischen Fachgesellschaften sowie mit Paneuropäischen PatientInnenorganisationen.

Premiere bei der heurigen UEG Week: Einbindung der Bevölkerung in der Kongressstadt

Die UEG Week ist mit 14.000 TeilnehmerInnen aus über 120 Ländern die europaweit größte und wichtigste Veranstaltung ihrer Art. Jetzt bereits gilt sie auch weltweit als ein führendes Event auf den Gebieten der Gastroenterologie und Hepatologie, und der strategische Plan der Vereinigung sieht vor, diese Rolle auszubauen und die UEG Week als weltweit besten und größten Kongress seiner Art zu etablieren. Neben der Exzellenz im wissenschaftlichen Bereich sind nach wie vor der persönliche Austausch und das Knüpfen von Kontakten zum Aufbau von internationalen Netzwerken auch für die nächste Generation an ÄrztInnen von immenser Bedeutung. Dies belegen die BesucherInnenzahlen der UEG Week: Trotz Ausbau der Möglichkeiten, dem Großteil des wissenschaftlichen Programms online oder per Webcast in der ganzen Welt zu folgen, bleiben sie stabil bzw. zeigen sogar leicht steigende Tendenz.

Verstärkt bemüht sich die UEG darum, Aufmerksamkeit und Bewusstsein für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen in der Öffentlichkeit zu schaffen und damit die Gesundheit und das Wohlergehen von Patientinnen und Patienten zu fördern. Dies soll heuer erstmals mit einer Aufklärungskampagne für die lokale Bevölkerung während der UEG Week geschehen, wie Manns ankündigt: „Im Zentrum dabei stehen“, so der UEG-Präsident, „die Darm- und Magenkrebsvorsorge. Wir wollen die Ursachen für diese Krankheiten, die dabei auftretenden Beschwerden und effiziente Präventionsmethoden thematisieren. Die Aufklärung über Risikofaktoren, über Vorsorge und Früherkennung soll anhand eines begehbaren Darmmodells vermittelt werden, das an einem zentralen Platz in Wien positioniert ist. Dort sollen alle Interessierten oder Betroffenen auch die Möglichkeit haben, sich mit Ärztinnen und Ärzten, PatientenvertreterInnen und -vertretern und anderen Verantwortlichen im Gesundheitsbereich auszutauschen. Wir hoffen, dabei die Stadt Wien für eine Kooperation gewinnen zu können.“

Die starke Verbundenheit der UEG mit Wien zeigt sich auch darin, dass die Organisation 2012 ihren Vereinssitz in Wien etabliert hat. Das House of European Gastroenterology (HEG) in der Wickenburggasse im 8. Bezirk ist Sitz des 25-köpfigen MitarbeiterInnen-Teams, das zu 70% aus Frauen besteht. Das HEG ist Drehscheibe für kleinere Fortbildungsveranstaltungen und Kommunikationsort für alle ordentlichen Mitgliederversammlungen, die auch einen nicht zu unterschätzenden Wirtschafts- und Werbefaktor für Wien darstellen.

Wiener Kongress-Studie 2015: aussagekräftige Bestandsaufnahme und Trenderkennung

Im Auftrag des Vienna Convention Bureau im WienTourismus analysiert Dr. Martina Stoff-Hochreiner seit 1991 alle fünf Jahre Wiens nationale und internationale Kongresse, um relevante Entwicklungen aufzuzeigen, aus denen sich entsprechende Strategien für diesen Bereich ableiten lassen. Für die aktuelle Untersuchung waren von September 2014 bis September 2015 insgesamt 4.406 TeilnehmerInnen und 212 Aussteller bei 37 nationalen und internationalen Kongressen von der „Triconsult Wirtschaftsanalytische Forschung GmbH“ befragt worden; 73 % persönlich, 27 % über Online-Interviews. „Unsere Kongress-Studien werden auch von vielen internationalen Verbänden und anderen Kongressdestinationen immer mit größtem Interesse erwartet“, erklärte Mutschlechner, „da sich daraus allgemeine Zukunftstrends erkennen lassen, an denen man sich strategisch orientieren kann. Es hat nämlich, das dürfen wir mit Stolz sagen, kaum eine andere Stadt so ausführliche und qualitativ hochstehende Untersuchungen vorzuweisen.“

In puncto Organisation der Reise hat sich seit der letzten Studie einiges getan: Organisierten die Reise nach Wien 2010 noch zu 49 % die Kongressveranstalter oder Unternehmen einschlägiger Branchen, so war das 2015 nur noch zu 14 % der Fall, und 53 % der Befragten organisierten sich die Reise privat. Dies liegt u.a. daran, dass immer bessere digitale Tools zur Verfügung stehen, um Reisebuchung und Aufenthalt in der Stadt auf eigene Faust und individualisiert vorzunehmen. Unverändert dominant ist mit 76 % die Anreise per Flugzeug, was die Bedeutung des Ziels der Wiener Tourismusstrategie 2020 – Erhöhung der Direktflüge nach Wien aus 20 zusätzlichen Destinationen – auch für den Tagungstourismus unterstreicht. Die Beherbergung der Gäste erfolgte zu 88 % in Hotels und Pensionen, zu 7 % privat und zu 3 % in Business-Apartments. 10 % jener Kongress-TeilnehmerInnen, die in einem Hotel übernachteten, taten dies in der 5-Sterne-Kategorie, 2010 waren es mit 19 % noch beinahe doppelt so viele gewesen. Entgegengesetzt lief der Trend im Drei-Sterne-Bereich, wo mit 38 % der Befragten mehr Gäste abstiegen als 2010 (29 %). Der 4-Stern-Bereich blieb mit 45 % (2010: 49%) einigermaßen konstant. Erstmals explizit abgefragt wurde die Nutzung von Plattformen der Sharing Economy: 2 % der Kongressgäste wählten diese.

Kettner kommentierte diese Veränderungen bei der Beherbergungswahl folgendermaßen: „Die starken Unterschiede zu 2010 bei den Werten der 5- und 3-Sterne-Hotels sind einerseits Folge von verschärften Compliance-Regeln – vor allem im medizinischen Bereich –, andererseits hat sich in Wien durch qualitativ hochwertigen Zuwachs im Drei-Stern-Segment auch viel getan. Weiters zeigt sich, dass die Sharing Economy auch im Kongressbereich angekommen ist. Wenngleich sie derzeit noch keine große Rolle spielt, so gehen wir davon aus, dass ihre Bedeutung zunehmen wird. Umso wichtiger sind die Bestrebungen der Stadt Wien, dieses Geschäftsmodell aus seinem Graubereich heraus und in einen gesetzeskonformen Rahmen zu führen.“

Frauenanteil steigt stark, Green Meetings im Vormarsch

Ein markantes Ergebnis der Studie ist der stark steigende Anteil weiblicher Kongressgäste: Er erhöht sich seit Jahren kontinuierlich und hat 2015 mit 44 % seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht (2010: 34 %, 1991: 21 %). Es ist davon auszugehen, dass sich dieser Trend fortsetzt, und dies erfordert infrastrukturelle Maßnahmen bei Tagungseinrichtungen und -services. Das reicht etwa von der Anzahl bzw. Aufteilung der Hygieneräume über die Raumtemperatur bis hin zum Catering.

Deutlich im Vormarsch ist die Bereitschaft der Kongress-TeilnehmerInnen, mit Green Meetings den ökologischen Fußabdruck ihrer Veranstaltung möglichst gering zu halten: Mehr als zwei Drittel (67 %) hätten z.B. kein Problem damit, völlig ohne gedruckte Unterlagen auszukommen. Der Anteil der Green Meetings am Wiener Kongressgeschehen geht jedenfalls steil nach oben. Wurden 2013 noch 42 davon abgehalten, waren es 2014 bereits 81, und 2015 wurde mit 140 der bisherige Höchststand erreicht. 22 davon zertifizierte das Vienna Convention Bureau. Nicht verzichten möchte das Kongresspublikum aber auf die persönliche Anwesenheit vor Ort, auch wenn als Ersatz dafür immer bessere technische Möglichkeiten zur Verfügung stehen: Über drei Viertel der Befragten (76 %) verneinten, an einem Kongress via Live-Stream teilnehmen zu wollen.

Verschärfte Compliance-Regel im Medizinbereich: kaum Auswirkungen zu erwarten

Mit größtem Interesse erwartet – keineswegs nur von Wien – wurden die Befragungsergebnisse von TeilnehmerInnen an medizinischen Kongressen hinsichtlich einer seit heuer geltenden Compliance-Regel der European Federation of Pharmaceutical Industry Associations (EFPIA). Die Mitglieder dieser Vereinigung, der beinahe alle Pharmaunternehmen Europas angehören, sind nunmehr dazu verpflichtet, jede finanzielle Zuwendung an ÄrztInnen – darunter auch die Bezahlung von Kongressteilnahmen – zu publizieren, vorzugsweise mit Namensnennung, die allerdings freiwillig erfolgen soll. Für Wien, wo rund 20 % aller Kongresse humanmedizinische sind, ein besonders wichtiges Thema, dem die Befragungsergebnisse aber die Brisanz nehmen: 81 % aller Befragten gaben an, diese Maßnahme hätte keinen Einfluss auf ihre künftige Kongressteilnahme, außerdem war die neue Regel nur 28 % bekannt. Ein Grund dafür ist sicher, dass jetzt bereits 63 % ihre Kongressteilnahme aus der eigenen Tasche bezahlt hatten – Tendenz steigend, denn 2010 war es erst 46 % gewesen. Von jenen, deren Teilnahme teilweise (16 %) oder vollständig (21 %) fremdfinanziert war, würden 19 % den Kongress auch besuchen, müssten sie selbst dafür aufkommen. 7 % machen dies von bestimmten Voraussetzungen (Kosten, Kongressort und -dauer) abhängig. Lediglich 11 % würden auf eine Teilnahme verzichten.

Als generelle Hemmfaktoren einer Kongressteilnahme wurden Zeitmangel (73 %), Budgetmangel (52 %), zu viele gleichwertige Veranstaltungen (28 %) oder die mangelnde Attraktivität eines Veranstaltungsortes (21 %) genannt. Zu 10 % – und damit mehr als doppelt so oft wie 2010 – wurden als Gründe Reiseangst bzw. Sicherheitsbedenken angegeben.

Hohe Akzeptanz für Großkongresse und Rotation zwischen wenigen Destinationen

Generell besteht gegenüber früheren Jahren die Tendenz, den Kongressbesuch als reinen Arbeitstermin zu betrachten, und ihn kaum noch zu einem privaten Aufenthalt in der Destination zu nutzen. 2015 zeigte sich allerdings erstmalig eine Stagnation dieses Trends. Hielten sich Kongress-Gäste 1991 noch durchschnittlich 7,3 Tage in der Stadt auf, so sank dieser Wert bis 2010 auf 4,6 Tage, was genau der durchschnittlichen Kongressdauer entsprach. 2015 erhöhte er sich leicht auf 5,0 bei einer durchschnittlichen Kongressdauer von 4,5 Tagen. Die Zahl der Begleitpersonen nimmt kontinuierlich ab und lag 2015 bei 0,11 % (2010: 0,17 %).

Weiters ergab die Befragung zwei für Wien sehr vorteilhafte Einstellungen des Kongresspublikums: Zum einen gibt es kaum Vorbehalte gegen Großkongresse, denn die offensiv formulierte Frage, ob die Zufriedenheit sinke, je größer die Veranstaltung sei, wurde von 68 % der TeilnehmerInnen verneint. Zum anderen hätte es für 75 % keinen Einfluss auf ihre Teilnahme, wenn der jeweilige Kongress seine Destination nicht häufig wechseln, sondern nur zwischen wenigen Städten „rotieren“ würde. Beides sehr erfreulich für Wien, das bei der Akquisition von Großkongressen immer schon sehr erfolgreich ist, und dessen Convention Bureau als Pionier der Strategie „Co-opetition statt Competition“ gilt. Es wendet diese Taktik von Zusammenarbeit statt Konkurrenz bereits seit 1995 gemeinsam mit dem Convention Bureau von Barcelona an und hat damit schon viele Kongressveranstalter dafür gewonnen, ihren Kongress vorwiegend nur noch zwischen den beiden Städten „rotieren“ zu lassen. Die UEG Week ist ein solches Beispiel dafür.

Höchstes Lob für Kongress-Stadt Wien, fast die Hälfte der Gäste plant privaten Wiederbesuch

An den bereits erwähnten 534 Euro inlandswirksamer Tagesausgaben pro TeilnehmerIn hatte die Nächtigung mit 23 % den größten Anteil, gefolgt von den Reisekosten (22 %) und der Kongressgebühr (19 %). Danach kommen Shopping (13 %), Gastronomie (11 %), Kultur- und Freizeitangebote (7 %), der Transport in der Stadt, Transfers (4 %) sowie Telekommunikation (1 %). Bei der Fortbewegung in der Stadt wurde der Kongress-Tarif der Wiener Linien bestens angenommen: 37 % der Kongressgäste nutzten ein selbst gekauftes Gesamtticket, 30 % ein vom Veranstalter zur Verfügung gestelltes.

Mit einer offenen Frage waren die Studien-TeilnehmerInnen aufgefordert, Wünsche, Kommentare oder Beschwerden zum Kongress anzumerken. Positiv hervorgehoben wurde hier mit 32 % und großem Abstand zu allen anderen Aspekten die perfekte Organisation, gefolgt von Wiens Ambiente, von dem 17 % angetan waren. Optimierungspotenzial wurde mit 13 % am häufigsten bei der Verpflegung im Kongresszentrum geortet, mit 12 % bei organisatorischen Belangen und mit 9 % bei der technischen Ausstattung der Konferenzräume.

Höchstes Lob gab es bei Beurteilung von Wien im Vergleich zu anderen Kongressdestinationen: 46 % der Befragten gaben an, Wien sei für sie die Top-Destination, und 45 % bezeichneten die Stadt als einen ihrer bevorzugten Standorte. Geschätzt werden vor allem das Ambiente der Stadt (25 %), die geographische Lage (17 %), die Verkehrsanbindung (12 %) und die Kultur (8 %). Mit 47 % plant knapp die Hälfte der befragten Wiener Kongress-TeilnehmerInnen in Zukunft auch einen privaten Besuch der Stadt.

 

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