2014: zweitbestes Kongress-Jahr für Wien, knapp unter Rekord

Präsentierten die Wiener Kongress-Bilanz 2014 (v.l.n.r.): Tourismusdirektor Norbert Kettner, Rektor der Universität Wien Heinz W. Engl, Leiter des Vienna Convention Bureau Christian Mutschlechner
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„Die Kongressstadt Wien hat 2014 im Vergleich zum Jahr davor in allen Kennzahlen deutlich zugelegt“, berichtete Kettner, „bei der Anzahl der Kongresse und Firmenveranstaltungen um 6 % auf insgesamt 3.582, was den bisherigen Höchststand repräsentiert. Die dadurch bewirkten Nächtigungen sind ebenfalls um 6 % gestiegen und liegen mit 1.490.695 nur knapp unter dem Rekord von 2012. Bei der durch die Wiener Ta­gungsindustrie österreichweit ausgelösten Wertschöpfung hat es einen Zuwachs um 8 % auf 898,9 Millio­nen EURO gegeben, auch das ist der zweitbeste Wert nach 2012. Die Wiener Tagungswirtschaft hat da­mit 11 % zu Wiens Gesamtnächtigungsergebnis 2014 beigetragen und – in ganz Österreich – insgesamt mehr als 17.000 Ganzjahresarbeitsplätze gesichert. Allen in diesem so kontinuierlich erfolgreichen Touris­mus-Segment unserer Stadt Zusammenwirkenden sei zu dieser eindrucksvollen Gesamtleistung herzlichst gratuliert. Wiens Wirtschaft profitiert davon kräftig und weit über den touristischen Bereich hinaus, denn Kongressgäste sind bekanntlich ein besonders umsatzstarkes Reisepublikum: Voriges Jahr haben sie durchschnittlich 474 EURO pro Kopf und Nächtigung in Wien ausgegeben. Der Vergleichswert sämtlicher Wien-Gäste liegt bei rund 250 EURO.“

Wiens Kongressgäste unterscheiden sich von Urlaubsreisenden allerdings nicht nur hinsichtlich ihrer Aus­gaben, sie sind auch wesentlich häufiger per Flugzeug unterwegs: 72 % von ihnen kommen auf dem Luft­weg nach Wien, während es bei den anderen Städtetouristen nur 42 % sind. Für Kettner ist daher die hier­zulande im Gegensatz zu nahezu allen anderen Ländern der Welt eingehobene Flugabgabe ein beträchtli­cher Wettbewerbsnachteil, und dies, wie er betont „nicht nur im Kongresswesen, sie wirkt auch völlig kon­traproduktiv für die Umsetzung eines wesentlichen Ziels der Tourismusstrategie Wien 2020. Wir streben bis dahin Direktflugverbindungen mit 20 zusätzlichen Großstädten in aller Welt an, als essenzielle Voraus­setzung für die Erreichung der beiden anderen Ziele – die Steigerung der Nächtigungen um 40 % und die Erhöhung des Nettonächtigungsumsatzes der Hotellerie um 60 %. Deshalb betreiben wir gemeinsam mit dem Flughafen Wien aktives Airline-Marketing. Die Flugabgabe erweist sich dabei als gehöriger Hemm­schuh.“

Beträchtliche Einnahmen für Unternehmen und Fiskus in ganz Österreich

Von den 3.582 Veranstaltungen, die Wien 2014 beherbergte, waren 1.458 Kongresse (+ 19 %), 679 nationale (+ 25 %), 779 internationale (+ 15 %). 2.124 der Events (- 2 %) waren Firmenveranstaltungen (Ta­gungen und Incentives), 832 davon nationale (+ 2 %) und 1.292 internationale (- 4 %). Die von all die­sen Veranstaltungen ausgelöste österreichweite Wertschöpfung und deren steuerliche Effekte wurden nach dem von Dr. Martina Stoff-Hochreiner entwickelten EVENT-MODEL-AUSTRIA berechnet. In der Wertschöpfung, die 898,9 Millionen EURO (+ 8 %) betrug, sind sämtliche inlandswirksamen Umsätze ent­halten. Das sind neben den direkten Ausgaben der VeranstaltungsteilnehmerInnen, Veranstalter, Aussteller und Begleitpersonen auch die von den Veranstaltungen verursachten Einnahmen in „vorgelagerten“ Wirt­schaftszweigen (z.B. Bauwirtschaft, Nahrungs- und Genussmittelindustrie, Druckereigewerbe, Banken, Versicherungen, Kommunikationsunternehmen etc.). Die Steuereinnahmen aus dem Wiener Tagungssektor ergaben 2014 insgesamt 253,5 Millionen EURO, davon gingen 166,9 Millionen an den Bund und 30,4 Millionen an Wien, der Rest an die anderen Bundesländer bzw. Gemeinden.

Ausschlaggebend für Wiens Erfolg: internationale und humanmedizinische Kongresse

Ein besonderes Kapitel in der Erfolgsgeschichte der Kongressstadt Wien schreiben die internationalen Kongresse. Sie verschaffen Wien nicht nur seit Jahrzehnten Spitzenränge in den einschlägigen weltweiten Ranglisten, sondern sind auch Jahr für Jahr der entscheidende Faktor in seiner Kongress-Bilanz: 2014 machten sie lediglich ein gutes Fünftel aller Veranstaltungen aus (22 %), brachten aber beinahe die Hälfte aller Tagungsgäste nach Wien (49 %), sorgten für 72 % der Kongress-Nächtigungen und für 77 % der von Wiens gesamter Tagungsindustrie bewirkten Wertschöpfung.

Sowohl bei internationalen Kongressen als auch bei nationalen haben in Wien jene mit humanmedizinischen Themen herausragenden Stellenwert: Auf sie entfielen im Vorjahr 20 % sämtlicher Kongressveranstaltun­gen. An zweiter Stelle standen die Bereiche Wirtschaft und Politik (15 %), gefolgt von Naturwissenschaft und Technik (14 %), danach rangierten geisteswissenschaftliche Fragestellungen und solche auf dem Ge­biet IT und Kommunikation. Abgesehen von ihrer Anzahl haben humanmedizinische Kongresse den mas­sivsten Impact in allen wirtschaftlichen Aspekten des Wiener Kongressgeschäftes aufgrund ihrer Teilneh­merstärke. Sehr deutlich abzulesen ist diese in der jährlichen Liste der „Highlights für Wiens Tagungsindu­strie“: Auch heuer weist das darin angeführte Dutzend sieben mit einschlägigem Thema aus (siehe unten).

Ein maßgeblicher Faktor für Wiens Kongressaufkommen – keineswegs nur im humanmedizinischen Be­reich, aber vor allem in diesem – ist Wiens Bedeutung als Universitätsstadt, wobei die Universität Wien hier eine führende Position einnimmt. Entscheidend dafür ist, dass ihre Leistungen in Forschung und Lehre in­ternational kräftig ausstrahlen. Kettner dazu: „Dieser Wettbewerbsvorteil einer solchen historisch gewach­senen und stets aufrechterhaltenen Reputation kann nicht hoch genug geschätzt werden, doch die Rolle der Universität Wien im Kongresswesen der Stadt greift noch weit darüber hinaus. Hier geht es um aktives Engagement bei der Kongress-Akquisition, das Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler leisten, und zwar zusätzlich zu ihrer Arbeit in ihrem jeweiligen Fachgebiet. Das 650. Gründungsjubiläum der Universität Wien ist ein trefflicher Anlass, all dies genauer zu beleuchten, und es ist uns eine große Freude, dass Rek­tor Engl, sich bereit erklärt hat, uns Einblick in diese Materie zu geben.“

Universität Wien: beispielgebendes „Rundum-Service“ für Kongresse

Wissenschaftliche Kongresse und Tagungen sind seit jeher mit Universitäten eng verbunden. Kongresse helfen nicht nur bei der internationalen Vernetzung in ihren Fachbereichen, sondern stellen auch die Universität und ihren Standort beziehungsweise ihre Stadt ins internationale Rampenlicht.

Dieser mehrfache Nutzen wurde an der Universität Wien erkannt, und sie begann in den 90iger Jahren die Abhaltung von Kongressen zu forcieren und zu unterstützen. Allerdings waren damals die rechtlichen Rah­menbedingungen einer Kongressorganisation teilweise recht schwierig, da der Universität – als Teil des Bundes – keine zentrale Infrastruktur zur Verfügung stand. Mit der Autonomie im Jahre 2002 und der fol­genden Umwandlung der Universitäten in autonome Institutionen mit mehr Eigenverantwortung und Lei­stungsorientierung führte die Universität Wien eine interne Bedarfsanalyse für den Bereich „Event & Kon­gresse“ durch und entwickelte einen Business Plan. Schrittweise baute die Universität die komplette Lei­stungspalette von der ersten Planungsphase bis zur Nachbereitung des Kongresses auf und bündelte diese Aufgabe sukzessive im "Veranstaltungsmanagement", das im Jahr 2007 vorerst als Sonderprojekt gestartet und nach einem erfolgreichen Probelauf im Jahr 2013 schließlich als Dienstleistungseinrichtung im Organi­sationsplan der Universität Wien fest verankert wurde. Inzwischen wird dieser Service intern und extern stark nachgefragt.

Eine 2014 durchgeführte externe Evaluierung des Veranstaltungsmanagements der Universität Wien durch internationale ExpertInnen aus Amerika bzw. Deutschland brachte folgende Beurteilung: Im Vergleich zu ähnlichen Einrichtungen an Universitäten sowohl in Europa als auch in den USA wurde es als sehr fort­schrittlich bewertet, seine Kongress-Abteilung sogar als beispielgebend bezeichnet. Dieses professionelle Niveau sei „an deutschen Universitäten selten zu finden“, und das Veranstaltungsmanagement der Universi­tät Wien nehme „auf diesem Sektor in Österreich und Deutschland eine führende Rolle“ ein. Ob Tagung, Symposium, Empfang oder Lesung, von wissenschaftlichen Kongressen und Workshops über Jubiläen und Ehrungen bis hin zu Podiumsdiskussionen, Ausstellungen und Messen – die Universität Wien wird mit ih­rem exklusiven und umfangreichen Raumangebot nahezu jedem Anlass gerecht. Im Vorjahr fanden – zusätz­lich zum regulären Lehr- und Forschungsbetrieb – über 1.500 Veranstaltungen statt.

Insgesamt beherbergte Wien im vergangenen Jahr 1.458 nationale und internationale Kongresse, davon 434 Stück (30 %) an einer der Universitäten, mehr als die Hälfte davon - 246 – an der Universität Wien. „Die Universität Wien unterstützt wesentlich die Positionierung der Stadt Wien als führende Kongress­stadt“, so Rektor Heinz W. Engl. „Zu den an ihr 2014 abgehaltenen nationalen und internationalen Tagun­gen und Kongressen sind 2014 insgesamt rund 32.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus aller Welt angereist. Mit ihren Veranstaltungsräumen und Hörsälen an 63 verschiedenen Standorten ist die Universität Wien einer der bedeutendsten Veranstaltungsorte in Wien und insgesamt in Österreich“.

Für das Vienna Convention Bureau des WienTourismus (VCB) ist, wie dessen Leiter Christian Mutschlech­ner betont, „die Universität Wien in mehrfacher Hinsicht ein Glücksfall: Nicht nur wegen der Zusammenar­beit bei Wiens Bewerbungen um Kongresse, sondern auch wegen des so effizienten hausinternen Veran­staltungsmanagements, das als ‚Professional Congress Organizer‘ für jene Kongresse fungiert, die an ei­nem ihrer Standorte abgehalten werden. Es bietet Kongressveranstaltern ein ‚Full Service‘: von der Durch­führung von Buchungen, der Teilnehmer-Registrierung, der technischen Ausstattung und sonstigen Gestal­tung der Räumlichkeiten über Logistikleistungen, IT-Support, Druck- und Web-Services bis zu Marketing­maßnahmen und der Unterstützung bei Finanzierung und Sponsoring sowie der Budget-Kontrolle. Die­ses ,Rundum-Paket‘, garantiert dem Veranstalter die optimale Qualität dieser Leistungen, denn niemand kennt die diversen Räumlichkeiten besser und hat mehr Erfahrung mit deren spezifischen Einsatzmöglich­keiten als ein solches ‚in-house‘-Veranstaltungsmanagement.“

VCB rüstet sich für von Pharmaindustrie ab 2016 geplanter Offenlegung von Geldflüssen an Ärzte

Entwicklungen im weltweiten Kongressgeschäft zu antizipieren, ist eines der Erfolgsgeheimnisse des VCB, und das derzeit aktuellste Thema ist eine ab 2016 in Kraft tretende Offenlegungspflicht für Mitglieder der European Federation of Pharmaceutical Industry Associations (EFPIA). Diese Vereinigung, der beinahe alle Pharmaunternehmen Europas angehören, hat ihre Mitglieder dazu verpflichtet, ab dem genannten Jahr jede finanzielle Zuwendung an einen Arzt zu publizieren, vorzugsweise mit Namensnennung, die freiwillig erfol­gen soll. Darunter fällt unter anderem die Bezahlung von Kongressteilnahmen. Mutschlechner wies in die­sem Zusammenhang auf Folgendes hin: „Wir führen seit Oktober 2014 eine Befragung von einschlägigen Kongress-TeilnehmerInnen und Teilnehmern durch, um die möglichen Auswirkungen dieser Maßnahme einschätzen und rechtzeitig Strategien für den Umgang damit entwickeln zu können. Die daraus gewonne­nen Erkenntnisse werden in die von uns alle fünf Jahre erstellte und heuer gerade wieder durchgeführte Wiener Kongress-Studie einfließen und gemeinsam mit deren Ergebnissen veröffentlicht werden.“

Seit kurzem tritt das VCB des WienTourismus bei speziellen Anlässen mit Werbe-Sujets auf, die die Rolle Wiens als Wissenschaftsstandort unterstreichen, indem sie berühmte, mit der Stadt verbundene Forsche­rinnen und Forscher aus verschiedensten Disziplinen zeigen: Sigmund und Anna Freud sowie Erwin Schrödinger und Lise Meitner symbolisieren dabei historische Errungenschaften in Psychoanalyse, Physik und Nuklearphysik; für die Gegenwart stehen Prof. Markus Hengstschläger, Direktor des Instituts für Gen­medizin an der Medizinischen Universität Wien, und Prof. Josef Penninger, Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Molekulare Biotechnologie an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Highlights für Wiens Tagungsindustrie 2015

  • Europäischer Radiologie-Kongress (2.0000 Tn., 4.-8.3., Austria Center Vienna)
  • Internationaler Wettbewerb f. Schiedsgerichtsbarkeit (3.000 Tn., 27.3.-2.4., Universität/Juridicum)
  • Europäische Geowissenschaftliche Union (12.000 Tn., 12.-17.4., Austria Center Vienna)
  • Pioneers Festival: Start-ups für innovative Produkte (2.500 Tn., 28.-29.5., Hofburg Vienna)
  • Europäischer Augenmedizin-Kongress (4.000 Tn., 6.-9.6., Austria Center Vienna)
  • Europäischer Hämatologie-Kongress (1.0000 Tn., 11.-14.6., Reed Messe Wien)
  • Weltkongress für Fettgewebe-Chirurgie (2.500 Tn., 26.-29.8., Hofburg Vienna)
  • Europäischer Schmerzmedizin-Kongress (4.000 Tn., 2.-5.9., Reed Messe Wien)
  • Europäischer Immunologie-Kongress (6.000 Tn., 6.-9.9., Austria Center Vienna)
  • Europäischer Krebs-Kongress (18.000 Tn., 25.-29.9., Reed Messe Wien)
  • Internationale Anwälte-Konferenz (4.000 Tn., 4.-9.10., Austria Center Vienna)
  • Walk21: Int. Konferenz f. FußgängerInnenverkehr (1.000 Tn., 20.-23.10., Rathaus)
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